
(14.10.2008)
… wie lange ist die Frage und vor allem für wen?
Schon am Wochenende hatten die wichtigsten Industrienationen (G-7) einen gemeinsamen Aktionsplan gegen die Krise vereinbart. Am Montag stellten zahlreiche Regierungen nationale Rettungspakete für ihre Banken vor. Österreichs Reigierung schnürte ein 100 Milliarden Euro schweres Notpaket.
Das abgestimmte Vorgehen gibt laut Marktteilnehmern neue Hoffnung auf eine Eindämmung der Krise. So argumentierte die Commerzbank in einer Studie, es spreche manches dafür, dass das entschiedene Vorgehen der europäischen Staaten wesentlich dazu beitrage, dass die Märkte nach und nach wieder Vertrauen fassten. Diese massiven Rettungspakete und die Bereitschaft, Banken wenn nötig auch durch Verstaatlichung zu retten, hat dann auch sofort Wirkung gezeigt: In Europa und zeitverschoben an den den US-Börsen kam es zu einem wahren Kursfeuerwerk. Der Dow Jones erreichte einen historischen Tagesgewinn und sorgte damit für ein spürbares Durchatmen nach der gigantischen Geldvernichtung der Vorwoche.
orf-online: " Erholung von der Geldvernichtung
Eine Garantie für den Sozialstaat oder für die SteuerzahlerInnen, die
diese enormen Summen aufzubringen haben, gibt es aber nicht. Geschweige denn,
dass die Rettungsaktionen an Bedingungen oder einen Systemwechsel gebunden
wären.
Wie nd-online berichtet will etwa die deutsche Bundesregeirung mit einem
beispiellosen Rettungspaket für die deutschen Banken die Folgen der
Finanzkrise bekämpfen: Das Kabinett beschloss am Montag einen Gesetzentwurf,
der Kapitalspritzen und Kredit-Bürgschaften in Höhe von bis zu 480 Milliarden
Euro vorsieht. Mit bis zu 400 Milliarden Euro bürgt der Staat für Kredite
zwischen den Banken. 80 Milliarden Euro stehen für frisches Kapital an die
Geldinstitute zur Verfügung.
Für den Rettungsplan soll ein Fonds geschaffen werden. Im Gegenzug zu
Kapitalspritzen für Banken fordert der Staat Anteile und Mitsprache bei
Entscheidungen der Bank, etwa bei Strategie oder Manager-Vergütung. Die
Bürgschaften sollen die zuletzt weitgehend zum Erliegen gekommene Kreditvergabe
zwischen Banken wieder in Gang bringen.
Die Bundesregierung rechnet mit maximalen Belastungen von 100 Milliarden Euro
für den Staatshaushalt. 35 Prozent der Risiken sollen demnach von den Ländern
getragen werden. Nach Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) stellt nun auch
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts 2011 in
Frage.
Der LINKE-Vorsitzende Oskar Lafontaine begrüßte das Rettungspaket, forderte
aber Gegenleistungen der Banken sowie ein staatliches Konjunkturprogramm. »Die
Sicherung der Banken mit Steuer-Milliarden kann nur dann erfolgreich sein, wenn
die Bundesregierung zugleich alles tut, damit die Wirtschaft nicht einbricht«,
erklärte er in Berlin. Zuvor hatte bereits DGB-Chef Michael Sommer ein
Investitionsprogramm zum Ausbau von Infrastruktur und Bildung in Höhe von
mindestens 25 Milliarden Euro gefordert. Das Wesentliche in dieser Situation
sei »die Vermeidung einer Rezession«. Das globalisierungskritische Netzwerk
Attac kritisierte, die Rettungspakete seien »nicht an einen Systemwechsel
gekoppelt«. Technische Reparaturen reichten nicht aus.
Zahlreiche Länder der Eurozone stellten am Montag ebenfalls nationale
Rettungspläne vor. Die französische Regierung sichert die Kreditaufnahme unter
den Banken bis zu einem Betrag von 320 Milliarden Euro ab und will
40 Milliarden Euro bereitstellen, um Banken in Schwierigkeiten mit frischem
Kapital zu versorgen. Spanien und Österreich beschlossen Programme über je
100 Milliarden Euro.
Die Rettungspläne folgen britischem Vorbild. Dort hatte die Regierung ein
Hilfspaket von bis zu 633 Milliarden Euro aufgelegt. Am Montag teilte London
mit, dass drei Großbanken 37 Milliarden Pfund an Eigenkapital erhalten. Auch
die USA arbeiten inzwischen an einem Rettungspaket nach britischem Vorbild, wie
das Finanzministerium mitteilte.
Am Sonntagabend hatten sich die Staats- und Regierungschefs der 15 Länder der
Eurozone auf ihrem Krisengipfel in Paris auf einen gemeinsamen Aktionsplan
geeinigt. Darin verpflichten sie sich dem Ziel, Banken vor dem Zusammenbruch zu
bewahren. Das Programm solle zunächst bis Ende 2009 gelten, wie der
französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte. Die Finanzkrise habe in den
vergangenen Tagen Dimensionen erreicht, die jede Verzögerung im Handeln
»unerträglich« machten. Die Europäische Union werde die USA zu einem
Gipfeltreffen auffordern, bei dem das internationale Finanzsystem auf eine neue
Grundlage gestellt werden solle.
Die abgestimmten Rettungspläne zeigten vorerst die erhoffte Wirkung an den
Börsen. So stieg der DAX bis zum Nachmittag um rund sieben Prozent. Zuvor hatte
es auch in Asien kräftige Kursgewinne gegeben.
Quelle: ND-online