Die beiden Spitzenkandidatinnen des KSV-Lili an der UNI-Wien: Sissi Luif und Julia KrausVon Florian Birngruber (19.5.2011)
Studierende leben von Unterstützung seitens der Familie, von Beihilfen und Förderungen und von Erwerbseinkommen. Eh klar. Und doch zeigt allein dieses Angewiesen-Sein auf drei Einkommensarten die Prekarität studentischer Lebensverhältnisse.
60 Prozent der Studierenden erhalten finanzielle Unterstützung von der Familie (inklusive Familienbeihilfe), ebenfalls 60 Prozent sind während des Semesters erwerbstätig. Ein Fünftel erhält Stipendien. Insgesamt betrachtet macht eigenes Erwerbseinkommen den größten Anteil der Einnahmen aus.
Die Lehrpläne sind dagegen auf Vollzeitstudium ausgerichtet, die Mindestzeiten im Beihilfensystem ebenso. Abgesehen davon, dass die gegenwärtigen Beihilfen die Einkommensunterschiede hinsichtlich des familiären Backgrounds nicht ausgleichen: Die Realität sind berufstätige Studierende. Der finanzielle Teufelskreis liegt auf der Hand: Lohnarbeit ist notwendig ? Zeitaufwand fürs Studium verringert sich ? Mindestzeiten können nicht eingehalten werden ? Verlust der Studienförderungen, der Familienbeihilfe ? Ausdehnung der Erwerbsarbeit In der gegenwärtigen Situation der einzige Ausweg und daher auch eine der bekannten Slogans der Proteste – Reiche Eltern für Alle!
Die Tendenz geht zu durchgehender Erwerbstätigkeit während des Semesters der betreffende Anteil unter den Studierenden stieg von 40 (2006) auf 45 Prozent (2009). Gleichzeitig gehen nur mehr 38 Prozent überhaupt keiner Lohnarbeit während des Semesters nach (2006 waren es noch 42 Prozent). Mit dem Streichen der Familienbeihilfe ab 24 Jahren im Zuge des Spar-Budgets 2011 verschärft die neoliberale Großkoalition diesen Trend neuerlich. Nummer Eins unter den Beschäftigungsverhältnissen ist währenddessen die Geringfügigkeit. Herauszustreichen ist: Ein Drittel der während des Semesters Erwerbstätigen hat mehr als einen Job!
Sowohl bei Geringfügigkeit als bei mehreren Jobs sind Frauen in größerem Ausmaß vertreten (z.B. sind 45 Prozent der Frauen und 39 Prozent der Männer geringfügig beschäftigt).
Und um Missverständnissen vorzubeugen: Hauptmotivation dabei ist bei allen die Finanzierung des Lebensunterhalts.
Folgen sind Überlastung, Stress, psychologische Probleme und das Abbrechen des Studiums. Zum letzteren Punkt kann die Sozialerhebung keine Zahlen liefern, da sie nur ordentliche Studierende umfasst und die Ausgeschiedenen nicht beinhaltet. Jedenfalls leiden unter den Studierenden 22 Prozent unter Versagens- und 16 Prozent unter Existenzängsten. Long live Neoliberalism!
Alle Zahlen entstammen der Studierenden-Sozialerhebung 2009.