
Von Wolf Jurjans (16.12.2007)
„Mit dem Zuendegehen haben alle Menschen ein Problem“, murmelte Herr Wolf in die menschenleere Hotelhalle, in der er um 23 Uhr seinen Dienst als Rezeptionist angetreten hatte. Sein persönliches Problem bestand darin, sich der jährlichen Endzeit und seiner Stimmung nicht entziehen zu können, der in Österreich ausgebrochenen politisch aktuellen Endzeitstimmung nicht anpassen zu wollen und diese beiden Gedanken des Nicht-Könnens und Nicht-Wollens in den nächsten Arbeitsstunden zu einer Geschichte verdichten zu müssen, die Hoffnung macht. Eine endzeitstimmliche, ja fast jenseitige Aufgabe also, deren einzige Alternative eine, durch den Ausfall eines Schreibers, für heute leere Focus Seite war.
„Mit dem Zuendegehen haben alle Menschen ein Problem“ nahm Herr Wolf einen zweiten Anlauf, um den roten Faden endlich in die Hände zu kriegen, der ihm ein Weiterkommen erlauben sollte, bevor er ihn wieder verlor. Als langjähriges Mitglied der KPÖ hatte darin reichlich Erfahrung.
"Unfähig, das Problem des Zuendegehens zu lösen, schaffen sich die Menschen noch zusätzliche, in dem sie mit großem Ernst zurückschauen und in großer Sorge voraus, sinnierte er weiter und fühlte nach mittlerweile 55 Jahren und einigen Weihnachts- und Jahresendfeiern, wie sich wohlige Weisheit in seinen Gedanken breit machte und sie zu beflügeln begann.
Das Problem mit der Zeit der langen Nächte, in der die Christen mit 2000-jähriger Professionalität und einem leicht verständlichen Gschichtl Hoffnung generieren, hatte schon die DDR, erinnerte sich Herr Wolf. Sie erfand in atheistischer Patschertheit den Begriff der „Jahresendzeit“ und produzierte damit eine Stimmung, die schon lange vor der eigenen Endzeit dem Fortschreiten des Sozialismus eine Richtung gab, die nicht der gesuchte Weg war, sondern die so lang fortgeschritten wurde, bis der Sozialismus weg war. Hans Krankls Botschaft „nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, die sich leicht zu einem „nach dem Ende ist vor dem Ende“ weiterdenken lässt, war nicht verstanden worden.
Herr Wolf zündete sich eine Zigarette an. Nachdem er „Krone“, „Heute“ und „Österreich“ überflogen hatte, war er mit der aktuellen politischen Gefühlslage vertraut, die seine Heimat bewegte. Die Grenzen offen, das Land im Schock, die Stimmung im Keller: „Der Ausländer“ hat „uns“ übernommen. Endzeitstimmung in der Jahresendzeit. Verraten, verlassen und verkauft dieses wunderbare Land der großen Söhne, die so begabt für das Schöne. Schöne Scheiße!
Da schafft es auch kein verbissen bis zum Ende kämpfender Innenminister, durch Ausweisung eines jungen Mädchens, die Widerstandskraft dieses Kulturvolkes wiederzubeleben. Nicht einmal der Vorzug, jetzt „EU“ zu den „Ausländern“ sagen zu dürfen, ohne gleich von einem Gutmenschen angeflegelt zu werden, schafft Erleichterung. Wie immer in derart hoffnungslos scheinenden Situationen meldet sich Karl Kraus in Herrn Wolfs Erinnerung: „Die Österreicher sind ein Volk, das durch Erfahrung dümmer wird“, hatte der Spitzzüngige schon vor vielen Jahrzehnten gewusst. Herr Wolf, vor Jahren noch stürmend und drängend, wollte es noch besser wissen und hatte einer Landesversammlung der KPÖ die Frage gestellt, ob wir als österreichische Kommunisten auch den Kräften dieses Volkscharakters unterworfen wären (an diesem Tag wurde übrigens auch die Wielandschule besetzt).
Die Versammlung hatte sich damals nach langem, schweigenden Nachdenken dazu entschlossen, befreit aufzulachen und sich derart einer Antwort zu entschlagen. Ein Lächeln, ein verschmitztes sogar, huschte über Herrn Wolfs Gesicht, weil er nach langen Jahren selbst eine Antwort gefunden hatte, diese aber als sein Geheimnis betrachtete, das zu lüften er nicht willens war.
Schon gar nicht, wenn er sein Ziel, den LeserInnen Hoffnung zu vermitteln, erreichen wollte.
Also zurück zu diesem Volk, das so talentiert ist, die richtige Angst vor den falschen Gefahren zu entwickeln, das politisch aufzuklären so unendlich mühsam ist und das doch das Einzige ist, das es hier gibt.
Herr Wolf spürte, wie bedenkliche Widersprüche in sein ermüdetes Denken einzusickern begannen.
Und just in dieser kritischen Phase seiner nachlassenden kopfwerklichen Fähigkeiten öffnete sich die Tür des Hotels und eine Horde russischer JungunternehmerInnen flutete die bis dahin so ruhige Empfangshalle. Laut, schön, reich, lebenslustig und ohne Verständnis für bereits seit langem schlafende Gäste.
Frustration und Zorn hintanhalten, mit freundlichstem Gesicht bedienen und dabei die Hoffnung aufrechterhalten, zu einem Ende des Artikels zu kommen, das keine Endzeitstimmung erzeugt! Die Hirnbacken zusammenkneifen und pressen! Und siehe da! Nach diesen Stunden stellte Herr Wolf fest: Es geht!
Einige der Horde hatten ihre Familiengeschichte erzählt und in keiner dieser Geschichten fehlte der Holocaust. In kurzer Zeit waren sie zu Menschen geworden, die Herrn Wolf vertraut waren.
So vertraut, wie sein Wusch, die kommunistische Sache von ihren diversen Enden und den dazugehörigen Stimmungen wieder zu spürbaren Anfängen zu führen.
So vertraut, wie derselbe Wunsch des langjährigen Parteivorsitzenden, der das Thema: „Durch Schaden wird man klug“ in der Neufassung als: „Prinzip EntTäuschung“ in eine hoffnungsstiftende neue Form gefasst hat. So vertraut, wie die immer wieder zu neuer Lebens- und Tatkraft anstachelnde Genossin in Herrn Wolfs Bezirk, die durch Lesungen aus dem empfehlenswerten Sachbuch: „Die Kunst, sich schlecht zu fühlen“ der weit verbreiteten Unart der Linken, sich spontan und unbedacht von Endzeitstimmungen vereinnahmen zu lassen, endlich eine wissenschaftlich methodische Basis zugrunde legte.
Herrn Wolf lehnte sich erschöpft zurück. Seine Schreibzeit war abgelaufen. Was blieb war die Hoffnung, dass in den Weiten des Netzes jemand ist, der die Widersprüche der diversen Endzeitstimmungen zum Tanzen bringen will. Wie es sich für KommunIstinnen gehört. Linke Tanz.
Auf ein kämpferisches und erfolgreiches neues Jahr freut sich, Herr Wolf.
Wer die Neutralität ernst nimmt, muss sie politisch und nicht militärisch umsetzen. Die Abschaffung des Bundesheeres ist die zeitgemäße Antwort auf die kranken Phantasien der Regierungsparteien um die Beteiligung an derzeitigen und kommenden Kriegen um Ressourcen.

Statt die Wehrpflicht abzuschaffen und das Bundesheer in eine Euro-Armee einzugliedern soll im Sinne einer konsequenten antimilitaristischen Politik das österreichische Bundesheer ersatzlos abgeschafft werden.
Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieser Resolution, sind für die Abschaffung des Bundesheeres und fordern die Bundesregierung auf, die Fragestellung nach der Abschaffung des Bundesheeres in den Text der Volksbefragung aufzunehmen.