
Von Wolf Jurjans (19.11.2007)
Uns bleibt nichts erspart! Auch die Frage: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ muss neu gestellt werden. Sie lautet nun: „Was ist ein Banküberfall gegen das Verzocken einer Bank?“ und hinterfragt aktuell das Verhältnis zweier Delikte durch die der BAWAG Schaden zugefügt wurde.
Der Banküberfall wurde mittlerweile, übrigens am Weltspartag, beurteilt – der „BAWAG-Gangster“ (Zitat: ÖSTERREICH) wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.
Was war geschehen?
Günter Burst, einem 40-jährigen Maler und Anstreicher, schien sein Leben derart misslungen, dass er beschloss, es zu beschließen. Nicht zum ersten Mal. Schon zweimal war das dem schwer depressiven Mann misslungen. Auch sein Versuch, sich stationär in Spitalspflege zu begeben war gescheitert. Es liege keine Selbstgefährdung vor, beschied man ihm. Diesmal sollte es aber gelingen.
Er behob seine letzten 750 Euro und investierte sie in einen ultimativen Bordellbesuch. Von dort wollte er nach Hause zu seinem Kellerabteil gehen, in dem ein Stanleymesser vorbereitet war.Doch wieder kam ihm sein ungestilltes, lebenserhaltendes Bedürfnis, sein Leid zu teilen, jedenfalls mitzuteilen, in die Quere.
Der Wunsch, einmal noch ernst genommen zu werden und jemanden zum Reden zu suchen wird am 27. Februar auf der Mariahilferstraße übermächtig und treibt ihn in die BAWAG Filiale.
Weil er „nicht reden kann, wenn er wo hineingeht“, kauft er sich vorher eine Feuerzeugpistole.
In der Bank lässt er mit Sesseln einen Kreis bilden („damit es alle gemütlich haben“). Schließlich hat er viel aus seinem 40-jährigen patscherten Leben zu erzählen. Als eine Frau zu weinen beginnt, schickt er sie hinaus, „weil das hab ich nicht sehen können“. Als eine zweite die Nerven verliert, lässt er auch sie gehen , „weil sie so traurig gschaut hat“. Auch einen Mann entlässt er, „weil der nix geredet hat“. Für den Rest der unfreiwilligen Therapiegruppe bestellt er Zigaretten und Getränke. Für sich fordert er einen Psychologen und ein Gespräch mit seinem Bruder. Dann diktiert er dem Filialleiter einen Brief, in dem er die Gehaltserhöhung für die Geiseln fordert. Zwischendurch verliert auch er die Nerven. „I mach Rambazamba und im Notfall gibts ein Blutbad“ verschreckt er die Geiseln.
Der Richterin erklärt er, sein eigenes Blut gemeint zu haben. Sein Vertrauen in Scharfschützen war offensichtlich größer als in sein Stanleymesser. Nach fünf Stunden überredet ihn die letzte Geisel zur Aufgabe.
Sondereinheiten, Spezialkommandos und ein Panzer werden wieder abgezogen. Das Urteil von 6 Jahren Haft wurde in der Tagespresse übereinstimmend als milde bewertet.
Der eigentliche BAWAG Prozess geht mittlerweile in den 50-ten Verhandlungstag. Ein Urteil wird frühestens im Frühjahr 2008 erwartet.
Ob die Frage: „Was ist ein Banküberfall gegen das Verzocken einer Bank“ im Brechtschen Sinne beantwortet werden wird, bezweifle ich.

260 zum Teil parteilose Menschen kandidieren in Österreich auf den verschiedenen Listen für die KPÖ. Einhundert davon - 50 Frauen und 50 Männer - auf der Bundesliste. Wir stellen Ihnen nach und nach die einzelnen KandidatInnen und ihre vielfältigen Zugänge zu ihrer Mitarbeit in der KPÖ und zur Politik vor.
Zur langen Liste der Namen.