Ein völlig verschmutzes Pissoir, mit rostigen Becken und rohren, ein einst rotes Handtuch am Haken. Dazu ein Schild mit der Aufschrift "Die Sauberhaltung der Toiletten, Schränke, Wasch- und Umkleideräume ist icht nur eine selbsverständliche Pflicht, sondern auch eine Frage der Kollegialität, ..."Von Roman Gutsch (18.11.2007)
Heute ist Welttoilettentag und dieser Tag sollte ernst genommen werden. Seine Fäkalien wie selbstverständlich durch ein gebogenes Wasserrohr mit dem Wissen, dass ein Wiedersehen ausgeschlossen ist, verabschieden zu können, ist eine Zivilisationsleistung. Für 42 Prozent der Weltbevölkerung, das sind 2,6 Milliarden Menschen, ist das keine Selbstverständlichkeit. Sie haben keinen Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen. Sie müssen unter hygienisch bedenklichen, die Privatsphäre verletzenden und die Umwelt belastenden Bedingungen ihre Notdurft verrichten. Ursache: Armut. Krankmachende Armut, die nicht selten verfestigt wird durch Krankheiten, die durch unzureichende Abwassersysteme verursacht wurden.
Der internationale World Toilet Day ist also kein Tag, an dem es um Toilettendesign geht, der einfach nur zum Schmunzeln ist oder für die Frage sensibilisieren soll, ob nun der Tief- oder Flachspüler das ideale Sitzklo aus Porzellan ist. Vielmehr geht es um die 1.800.000 Kinder, die jährlich sterben, weil sie aufgrund von sanitärer Unterversorgung verunreinigtes Wasser trinken müssen.
Die Abwasserentsorgung wurde aus diesem Grund in die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen, in der die Mitgliedsstaaten erklärten, extreme Armut weltweit bis 2015 halbieren zu wollen, als Entwicklungsziel aufgenommen. Doch nach wie vor genießen Projekte, die der Trinkwassergewinnung dienen, höheres Ansehen. Das Thema Toilette bleibt vernachlässigt. Um den Lokus in den Fokus der Politik zu rücken wurde daher 2008 als Internationales Jahr der sanitären Grundversorgung ausgerufen.
Die WTO, die World Toilet Organization, will in diesem Jahr das Bewußtsein fördern, dass hygienische Klosetts ein grundlegendes Menschenrecht sind. Der Diskurs, wie eine würdevolle Hygienesituation für alle Menschen realisiert werden kann, darf aber nicht auf eine technische Problemstellung reduziert werden, obwohl diese Diskussion auch geführt werden muss. So sind konventionelle Abwassersysteme wie Sickergruben angesichts der steigenden Bevölkerungsdichte zunehmend überfordert und verseuchen das Grundwasser, während zentrale Lösungen wie Schwemmkanalisationen mit enormen Investitionskosten verbunden sind und einen zu hohen Wasserverbrauch haben. So wichtig es daher ist, dass eine ökologische, alternative Abwasserbewirtschaftung vorangetrieben wird, so wichtig ist es, dass die politischen und ökonomischen Armutsursachen bekämpft werden.
Eine dieser Ursachen ist die WTO, die Welthandelsorganisation, die im Unterschied zur gleichnamigen WTO, der Welttoilettenorganisation, sich nicht mit Fäkalien beschäftigt, sondern eine Scheißpolitik betreibt. Das von ihr propagierte neoliberale Handelsregime öffnet die Daseinsvorsorge für privates Kapital ohne Rücksicht auf die Grundversorgung der Bevölkerung. Alle Bereich der Daseinsvorsorge, wie etwa Wasser, Elektrizität, Bildung und Gesundheit, werden den Profitinteressen internationaler Konzernen unterworfen. Staatliches Handeln wird, sobald es die Konzerngewinne schmälert, als Handelshemmnis qualifiziert und folglich verboten. Das Menschenrecht auf sanitäre Grundversorgung wird folglich ohne einem prinzipiellen Bruch mit dieser Politik nicht möglich sein. Die WTO als ein Instrument der Durchsetzung von Kapitalinteressen negiert die Würde der Menschen und muss demnach zerschlagen werden.
Auch Entwicklungshilfe, die nur darauf abzielt, dass die Empfängerländer in eine politische und wirtschaftliche Abhängigkeit geraten, wie sie von den meisten Industriestaaten gewährt wird, ist dem Ziel der flächendeckenden Versorgung mit Toiletten abträglich. Ökonomischer Neo-Kolonialismus zementiert Armut ein. Reduziert kann sie nur durch eine demokratische Weltwirtschaftsordnung und eine solidarische Entwicklungszusammenarbeit werden.
Letztlich soll darauf verwiesen werden, dass der Welttoilettentag nicht nur Relevanz für Entwicklungsländer hat. Auch in Österreich haben gewisse Personengruppen keinen bzw. keinen befriedigenden Zugang zum Kulturgut Klo. Das Gemeinschaftsklo am Gang ist für viele MieterInnen noch Realität. Obdachlose müssen nicht selten in aller Öffentlichkeit ihre Notdurft verrichten, zumal öffentliche WC-Anlagen sperren und privat betriebene Toiletten (Beispiel: Toilette in der Opernpassage in Wien) Obdachlosen den Besuch per Aushang verbieten. In Pflegeheimen wird BewohnerInnen oft der Gang zur Toilette verwehrt, da die Begleitung aufs WC Zeit in Anspruch nehmen würde. Anstelle einer aktivierenden Pflege und den Erhalt von Ressourcen tritt dann die Windelhose. Hier wird die Würde von betagten Menschen offenbar geringer bewertet als die eingesparten Personalkosten.
Kurzum: Heute ist Welttoilettentag und diesen Tag sollte man ernst nehmen.
Wer sie überhört hat: Die KPÖ tritt, entsprechend ihrer finanziellen Möglichkeiten, mit eingeschränkten Werbemitteln an. Daher unserer Radiospots noch mal zum "nachhören", weiterschicken und verlinken.
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