KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Vier Prozent – ein Sündenfall?

Von Hans Gmundner (23.11.2007)

Der Staat kann sich scheinbar langsam aber sicher nichts mehr leisten. Keine Beamten – und Pensionisten schon gar nicht. Interessanterweise existiert eine Menge von so genannten Experten, die  sich – meist auf Gehaltslisten der öffentlichen Hand – in dieser Lage als Rechtfertigun­gshofräte aufführen. Lauthals pflegen sie zu verkünden, dass künftige Generationen dafür büssen müssen, wenn Pensionserhöhungen realisiert werden, die zwar im Niedrigstbereich mit Ach und Krach die Inflation ausgleichen, durchschnittlichen Ruheständlern aber weitere Opfer abverlangen.
Dass der Lohnabschluss für d)e Handelsangestellten ein ausgesprochner Skandal in der Skandalgeschichte der ÖGB-Spitze war, wagt niemand öffentlich zu sagen. Das Plus von drei Prozent  ist ein Hohn, wenn man bedenkt, dass die Inflation derzeit 2,8 Prozent erreicht und die Lohnsteuerpro­gression  zusätzlich in Rechnung zustellen ist. Unterm Strich war diese nominelle Lohnerhöhung für die Fisch', weil d)e reale Kaufkraft aus dem Vorjahr nicht wieder hergestellt wird,
Wenn die Beamtengewerkschaft mit einer Forderung von vier Prozent auftritt, ist das keine Frechheit wie Ministerin Doris Bures meint, sondern ein schüchterner Versuch, das Einkommensniveau der Mitglieder einigermaßen zu halten und nicht total unter das bisherige Niveau absinken zu lassen. ÖGB-Vize Fritz Neugebauer tut gut daran, von dieser Forderung nicht abzurücken, denn bereits der dürftige Abschluss der Metaller hat den Trend zu Lohneinbussen der Beschäftigten bei nominellen Lohnerhöhungen fortgesetzt.
Dokumentiert wird diese Entwicklung durch die seit den frühen 90er Jahren (europaweit) fallende Lohnquote. Dieser Erosionsprozess kann vermutlich nicht durch den Lohnkampf, in dem die ÖGB-Spitze nach wie vor größte Schwächen zeigt, allein aufgehalten oder umgekehrt werden. Zusätzlich ist eine steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit durch die Gleichbehandlung aller Einkommensarten erforderlich. Denn der steuerlichen Belastung der Produktion des gesellschaftlichen Reichtums in der Realwirtschaft steht gegenwärtig eine extreme Begünstigung der weiteren Verwertung auf den (internationalen) Finanzmärkten gegenüber.
Es würde genügen, den seit den 70er Jahren entfesselten Finanztransaktionen Zügel (nach dem Muster der Tobin-Steuer) anzulegen, um sowohl die Staatseinnahmen zu steigern als auch den Faktor Arbeit zu entlasten.