
Von Josef Stingl (8.11.2007)
Länger Arbeiten bis zu wöchentlich 60 Stunden , später in die Pension ab besten erst mit 67 oder gar noch später , posaunen Wirtschaftkammer (WKO) und Industierellenvereinigung (IV) kontinuierlich in die Öffentlichkeit. Das Arbeitszeitgesetz ruiniere die Wirtschaft, die FrühpensionistInnen das Pensionssystem sind ihre Rechtfertigung.
Ersteres, länger Arbeiten, wurde bereits unter Mithilfe von ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer (SPÖ), AK-Präsident Herbert Tumpel (SPÖ) und natürlich die ihrer Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) umgesetzt. Zwölf-Stunden-Arbeitstag und 60-Stunden-Arbeitswoche sind wieder möglich.
Bei dieser Regierungskonstellation, die in manchen Fragen neoliberal-radikaler vorgeht, als die vorherige Schwarz-Blau-Orange (siehe Änderung des Arbeitzeitgesetzes oder die Aufweichung des Lehrlingskündigungsschutzes) ist zu befürchten, dass wir die Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters auch bald erleben werden. Ohnehin einig sind sich WKO und IV und ÖVP und SPÖ, dass jetziges Pensionssystem à la long unfinanzierbar sei.
Sind die Pensionen durch ein höheres Antrittsalter möglich? Eigentlich schon, denn die Hälfte aller Krankheiten sind Ursache ungesunder Arbeitsplätze. Und das in Österreich durchschnittlich relativ niedrige Pensionsantrittsalter hat die gleiche Ursache, die Menschen werden von der Arbeit krank. Erhöht also der Staat das Pensionsalter, lockert er die Berufsschutzbestimmungen, schafft er repressive Verweigerung der Anerkennung von Berufskrankheiten, dann zahlen die Betroffenen länger in die Pensionskasse ein. Gleichzeitig reduziert der Staat damit die Lebenserwartung und so werden auch die Pensionsbezugszeiträume massiv geringer.
Das Problem dabei, mit Sozialstaat hat das nichts zu tun, mit Menschlichkeit ebenfalls nicht! Die Alternative dazu? Vollbeschäftigung erhöht die BeitragszahlerInnen. Gesündere Arbeitsplätze und Arbeitszeitverkürzung verringern Berufsstress und Gesundheitsbelastung, die Menschen werden gesünder, das faktische Pensionsantrittsalter erhöht sich automatisch. Neu gestaltete Finanzierung bei den UnternehmerInnenbeiträgen und bei den Reichen und Superreichen durch Öffnung der Höchstbeitragsgrenze und Einführung von wertschöpfungsorientierten Beiträgen.
Nicht vergessen: Zur Umsetzung der Alternativen ist es zu wenig sich auf die Regierung zu verlassen. Außerparlamentarischer Druck und ziviler Ungehorsam sind notwendig.
Rückmeldungen an: Josef Stingl <kpoe.tirol@gmx.at>
