KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

90 Jahre und kritisch ...

Postkartensujet anlässlich der 80-Jahre-Geburtstagsfeier der KPÖ: "Tanz den Kommunismus" - selbstironischer Blick auf eine Partei mit langer Geschichte.

Von Michael Graber (11.2.2008)

Das Gedenkjahr 2008 hat zwar schon begonnen, das offizielle Österreich streitet aber darüber, wo die geplante Austellung “90 Jahre Republik Österreich” aufgestellt werden soll. Über die Gestaltung des 70. Jahrestags der Kapitulation des autrofaschistischen Regimes, der Machtergreifung der Nazis und der Besetzung Österreichs durch die Hitler-Wehrmacht durch das offizielle Österreichs ist bislang nichts bekannt. Ein ungutes Omen für das was vielleicht doch geplant, gesagt und getan wird, ist aber das Schweigen rund um den 12. Februar. Die Februarkämpfe 1934, die Niederschlagung des antifaschistischen Abwehrkampfes der österreichischen Arbeiter durch Polizei, Gendarmerie und Bundesheer des Dollfußregimes, die standrechtliche Hinrichtung der sozialdemokra­tischen Schutzbundführer lassen sich aber nicht aus der Erinnerung tilgen. Und ohne die geschichtliche Bewertung des Ausgangs dieses Kampfes läßt sich das Ende der Ersten Republik, der “Anschluߔ und seine Folgen nicht sinnvoll darstellen.

Auch der öffentlich-rechtliche ORF übergeht den 12.Februar im Gedenkjahr 2008 mit dröhnenden Schweigen. Warum wird nicht zumindest auf frühere Dokumentationen und Produktionen zurückgegriffen? Z.B. auf die Dokumentarfilme des Hugo Portisch “Österreich I” aus den 80er Jahren oder den Spielfilm von Michael Scharang “Die Kameraden des Koloman Wallisch”, der 1979 vom ORF produziert wurde? Oder warum werden nicht die wenigen noch lebenden Zeitzeugen zu einem “Klub 2” eingeladen, z.B. der über 90jährige Fritz Probst, der vor wenigen Tagen auf einer Kundgebung in Erinnerung an den 12. Februar 1934 gesprochen hat?

Die Erinnerung an den Februar 1934 hat in diesem Jahr aber auch aus einem weiteren Grund eine besondere Bedeutung. Es ist das 90. Jahr des Bestehens der Kommunistischen Partei Österreichs. Gerade In den Wochen und Monaten nach der Niederlage der sozialdemokratisch geführten Arbeiterbewegung im Februar 1934 formte sich diese Partei zu jener Kraft, die zunächst neben den Revolutionären Sozialisten den Widerstand gegen das austrofaschistische Regime organisierte, die aber nach der Besetzung Österreichs als einzige politische Kraft willens und imstande war, unter den schwierigsten Bedingungen und unter großen Opfern jenen Widerstand zu leisten, dem Österreich auch seine Freiheit verdankt.

Die KPÖ hat ihre politische Kontinuität über diese 90 Jahre deshalb bewahrt, weil sie eine Partei der Arbeiterbewegung und des Kampfes war, eine Partei, die weder vor den Schwierigkeiten des politischen Alltags, den “Sachzwängen” des kapitalistischen Systems und seiner Krisen, noch vor den faschistischen Eroberern kapitulierte und das Ziel, die Überwindung des kapitalistischen Systems nicht aus den Augen verlor. Die Christlich-Sozialen der Ersten Republik gingen im Austrofaschismus auf und unter und auch die Sozialdemokraten mußten sich nach der Befreiung 1945 erst neu konstituieren.

An all das wird noch in diesem Gedenkjahr zu erinnern sein.

Freilich, die KPÖ hatte nicht nur diese heroischen Seiten ihrer Geschichte. Sie war über viele Jahrzehnte ihres legalen Kampfes in der Gesellschaft isoliert, was sowohl Sektierertum als auch Ausbruchsversuche aus der Isolierung hervorbrachte. Der Kalte Krieg, auch der Stalinismus haben ihre Spuren hinterlassen. Aber auch der Neubeginn nach 1991.

Die KPÖ wird jedenfalls offener und ehrlicher mit ihrer Geschichte umgehen, als die politische Klasse dieses Landes bereit ist mit der ihren zu verfahren – wie die Verbereitunge bereits erkennen lassen.