KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Armut bewegt?

Von Wolf Jurjans (22.3.2008)

Armut bewegt – die Wiener SPÖ noch nicht so sehr, weil es ja in Wien offiziell keine Armut geben darf. Und wenn, dann nur in Form einer Roma Bettlerin, die die Frau Frauenberger bestrafen und vertreiben kann, damit Wien für die Europameisterschaft schnell, sicher und sauber wird.

Armut bewegt – die sogenannte Kernwählerschaft der SPÖ, die ArbeiterInnen, schon mehr. Die wollen sich nicht den Gusi Hunderter aufs Hirn picken lassen, so wie das üblicherweise den Roma Musikern passiert, wenn die Gäste der Hochzeitsgese­llschaft mit ihrer musikalischen Darbietung zufrieden sind. Die sagen dem Gusi jetzt trotzig, dass sie mit seiner Darbietung nicht zufrieden sind und geben ihm nicht mehr ihre Wählerstimme. Sie sind sauer, weil sich der Möchtegern-Volkskanzler von der ÖVP am Nasenring von einem Umfaller zum nächsten ziehen lässt und nichts Gescheites gegen Armut, Inflation, Pflege-, Bildungs- und alle anderen Notstände zusammenbringt. Was wiederum Häupl sauer macht der den Faymann abfeuert um den „Sozialfighter“ Gusi abzuschießen.

Drohende Armut und ein bisschen Stolz bewegt also Österreichs „weiße“ ArbeiterInnen und sie ziehen zur FPÖ oder sich zurück. Damit sie der Gusi SPÖ eins auswischen und weil ihnen die „Ausländer“ angeblich die Löhne drücken und überhaupt auf den Keks gehen. Die FPÖ wird sich dadurch bestärkt fühlen und wird umso motivierter Druck auf die ImmigrantInnen machen. Das wird den Preis der Ware Immigranter ArbeiterInnen wieder ein bisschen senken. Und damit auch den Preis der Ware „Eingeborener ArbeiterInnen“. Im Börsel von allen ArbeiterInnen wird weniger sein. Dumm gelaufen, werden sich die „Einheimischen“ denken, aber das ist eben Kapitalismus. Arschpartie, aber so ist das Leben. Aber, aber, aber.....

Armut bewegt aber auch kluge Köpfe. Die haben dann „Ideen gegen Armut“. Genauer gesagt sie haben die Idee, sich Ideen gegen die Armut erfinden zu lassen. Von Menschen die wirklich etwas gegen Armut tun wollen. Die das machen, sind nicht nur kluge Köpfe, sondern auch schlau. Zum Beispiel die Herren von der Coca Cola Österreich Foundation. Die vergeben jährlich einen Preis von 50.000 € für die beste Idee, wie man Armut verhindern oder bekämpfen kann. Warum sie das machen? „Coca-Cola steht für Optimismus und Lebensfreude. Dies sieht das Unternehmen nicht nur als Verpflichtung gegenüber seinen Kunden. Diese Werte sollen auch an jene weitergegeben werden, die es im Leben nicht so gut getroffen haben. Deshalb engagiert sich Coca Cola Österreich Foundation proaktiv und nachhaltig in vielen sozialen Bereichen. So auch in der Bekämpfung von Armut in Österreich.“

So die Firmenphilosophie. Die Unterstützungsle­istung ist als Sozial Venture Capital zu verstehen (also als soziales Risiko- oder Spekulationska­pital) wobei eine Rückzahlung nicht angedacht ist. „Lets go narrisch“ heißt übrigens ein anderes Coca Cola Projekt.

Die Ami-Kracherl-Produzenten machen das übrigens nicht alleine. Unterstützt werden sie dabei vom NPO-Institut der WU Wien und dem STANDARD, der Tageszeitung, die bekanntlich mit ihrer konsequenten: „Delete KPÖ“-Haltung den Standard der postdemokratischen Berichterstattung in Österreich mitdefiniert.

Keine neuen Ideen braucht BILLA und setzt auf altbewährte Verarschung. „Das erste gemeinsame Projekt von Caritas und Billa stellt die "Aktion Glückskind“ dar: „Mit jedem gekauften Osterei unterstützen unsere Kunden Kinder und ihre Familien, die vom Schicksal getroffen wurden“, erklärte Volker Hornsteiner, Vorstandssprecher Billa AG. Fünf Prozent des gesamten Ostereier Verkaufserlöses fließe als Spende an die Caritas: „Wir verdoppeln am Ende die Gesamtsumme noch einmal.“Was bleibt da angesichts so viele und so viel bewegender Armut noch zu sagen, noch zu tun?

Als KommunistInnen sollten wir trotz der schier übermächtigen Konkurrenz auf dem Armutsmarkt nicht die Nerven wegschmeißen. Immerhin haben wir die Einsicht in den kapitalistischen Gang der Dinge und der Menschen den anderen voraus (sollten wir jedenfalls theoretisch). Das erzeugt Optimismus und Lebensfreude. Mit beidem sollten wir die Ausschreibungsun­terlagen von Coca Cola genau studieren. (Die Systematik tut auch unserer Ideenproduktion gegen Armut gut.) Dann könnte der/die eine oder andere (Parteien sind leider vom Wettbewerb ausgeschlossen) am Wettbewerb teilnehmen und vielleicht eine gute, gesellschaftsin­novative Idee einreichen. (Bitte nicht gleich Revolution draufschreiben.) Dann stehen einige klärende Gespräche mit den ArbeiterInnen ohne Immigrationshin­tergrund an. Der/die eine oder andere ist sicher davon zu überzeugen, dass die FPÖ Idee ziemlich verkoffert ist. Dann wäre mein Vorschlag, ein ernstes Wort mit den KollegInnen mit Migartionshin­tergrund zu führen und sie zu ersuchen, endlich österreichische Politik zu machen statt die Politik ihrer Herkunftsländer. Und dann bleibt uns die einmalige Chance, anlässlich der Euro 08 mit den NOEUROS dieser Stadt Wien in einen lebhaften Dialog zu treten. Vielleicht wird dann das „Auf der Stelle Treten“ zu einer Bewegung. Ist sie entsprechend groß, könnte das die Millionärssozi­alschmarotzer bewegen, ihre Liechtenstein­schwarzgelder herauszurücken und sie wenigstens normal versteuern zu lassen. Dann würde Armut wirklich bewegen. Und wie!