Die FPÖ mokiert sich über ein Kinderbuch, das die Zuneigung, die Männer zu einander empfinden können, thematisiert. Unbeeindruckt davon knuddelt die blaue Basis.Von Roman Gutsch (13.2.2008)
Eduard Schock ist schockiert und schockiert mit einer Aussendung: Kinder werden im Wiener Dschungel mit schicker Homosexualität konfrontiert. Quasi durch die Hintertüre wolle man, konkret die SPÖ, ihnen die Homosexualität schmackhaft machen. Das schmeckt dem schockierten Klubobmann der Wiener Freiheitlichen freilich nicht. Er sieht die Familie als gewachsene Struktur in Gefahr, die Jugend bedroht, wenn ein harmloses Stück über schwule Liebe im Kindertheater Dschungel aufgeführt wird.
Das Theaterstück König & König nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Linda de Haan und Stern Nijland erzählt die Geschichte von einem Prinzen, der die Thronfolge antreten und heiraten soll. Bei der für ihn organisierten Brautschau fühlt er nichts Schmetterlingliches, Prickelndes bis ein Prinz, der Bruder einer Prinzessin, in Erscheinung tritt. Ein nettes Stück übers Verlieben, nur nicht so verstaubt und reaktionär wie viele Märchenklassiker, an deren Ende sich ein heterosexuelles Paar für alle Ewigkeit findet.
Kindern ist die Realität homosexueller Liebe natürlich zumutbar. In jedem Alter. Vor allem sollen sie sich mit dem Beginn der genitalen Sexualität annehmen können, wie sie sind, und nicht von Rollenerwartungen in Opposition zu sich selbst oder in Abgrenzung zu anderen gebracht werden.
Nur FPÖ-Funktionäre, die sich fiebernd vor Homosexualität ängstigen, können dieses Stück nicht so amüsiert annehmen wie das junge Publikum, sie müssen den schwulen Königen gleich eine kleinformatige Krone aufsetzen. Die journalistische Krönungsmesse hielt Michael Jeannée ab. Er unterstellte dem Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny nicht mehr ganz richtig zu ticken, weil er Kinder in einem morbiden Sinnes- und Gefühlsdschungel aussetzt, anstatt das subventionierte Homo-Stück abzusetzen.
In welchem Gefühlsdschungel sich Eduard Schock befand, als er im Zusammenhang mit männlicher Homosexualität davon sprach, dass die SPÖ sie Kindern über die Hintertüre schmackhaft machen wolle, kann und soll nicht beurteilt werden. Ein Urteil über seinen Parteikollegen Michael Winter und seine kürzlich erfolgte verbale Entgleisung, die wohl politisch motiviert war, aber ebensogut in einem psychiatrischen Diskurs aufgehoben wäre, soll schon getroffen werden. Damit klar wird, in welcher Partei Politiker, die nicht ganz richtig ticken, ihre Heimat haben.
Michael Winter, Landesobmann des Ringes Freiheitlicher Jugend (RFJ) in der Steiermark, ist der Sohn von Susanne Winter, jener FPÖ-Rassistin, die im Grazer Wahlkampf mit primitivsten Aussagen gegen den Islam hetzte. Als besorgte Mutter, so hat sie sich einmal in einem Interview verteidigt, habe sie Mohammed einen Kinderschänder nennen müssen. Die Sorge um ihren Sohn, der Befürworter der Todesstrafe ist, ist berechtigt, da dieser offenbar seine unterdrückten Persönlichkeitsanteile mit Hass auf andere projiziert und glaubt, dass seine Projektionen in eine Presseaussendung und in keine Therapiesitzung gehören. So hat er jüngst als Sofortmaßnahme gegen Vergewaltigungen österreichischer Mädchen durch Männer türkischer Herkunft gefordert, eine Schafherde im Grazer Stadtpark weiden zu lassen, weil der Geschlechtsverkehr mit Tieren im Islam eine gewisse Tradition zu haben scheint. Wenn das mein Sohn sagen würde, würde ich mir auch ernsthaft Sorgen um ihm machen.
Harmlos wie das Stück König & König hingegen ist nur die Bildergalerie auf der Webseite des steirischen RFJ. Kein Preisschnapsen, kein Ausflug, kein Frühschoppen, kein Jugendtag, der fotografisch dokumentiert ist, an dem nicht fesche, junge Männer ihre Arme um die Schultern und Taillen ihrer Gesinnungsgenossen legen, miteinander tanzen und/oder von reiferen Funktionären umarmt werden. Zu den Schnapsturnieren der Jugend finden sich sogar ältere Freiheitliche ein, die sich mit Strache-Bären an den Ohren feminin geben und sich dennoch bodenständig, männlich herzen.
Kurzum: Wenn das Kindertheaterstück, das derzeit im Dschungel zu sehen ist, anstößig ist, ist es die besagte Homepage des RFJ auch. Nur die Gefahr, die vom RFJ für die Jugend ausgeht, ist nicht das in Blau gehaltene kollektive Knuddeln, sondern das monströs bösartige Weltbild, das der FPÖ zugrunde liegt.