KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Mega-Events, Medien und Politik

Von Didi Zach (7.6.2008)

Heute, am 7. Juni, startet die EM 2008. Beim Eröffnungsspiel in Basel treffen die Schweiz und die Tschechische Republik aufeinander. Laut Politikern und Wirtschaftsver­tretern wird die EM aber nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern auch ein Mega-Event mit sagenhafter Umwegrentabilität. Die Zahlen schwanken zwar beachtlich – einerseits wird von einer Gesamtwertschöpfung von 321 Millionen Euro gesprochen , ein IHS-Ökonom will gar 640 Millionen Euro als Gesamtwertschöpfung berechnet haben – aber was soll's, denken sich offenbar die Autoren solcher „Studien“. Wenn der Auftraggeber zufrieden ist und die Medien von pompösen Zahlen berichten können, dann fallen doch solche Ungereimtheiten ohnehin nicht mehr ins Gewicht.

Dass die Ausgaben, u.a. die Aufwendungen für Neu- und Ausbau von Stadien, für die Einrichtung von Fanmeilen etc. von der öffentlichen Hand finanziert werden, während die Gewinne einer kleinen erlesenen Schar und vor allem der UEFA zufließen, bleibt jedenfalls unerwähnt, denn angesichts von Euphorie und Medien-Hype würde solch ein Hinweis wahrscheinlich schon als Nestbeschmutzung wahrgenommen werden.

Schon im alten Rom wurden einem auserwählten Teil des Volkes „Brot & Spiele“ serviert, um es bei Laune zu halten. Selbiges ist wohl auch in der Gegenwart der Fall. Die Brotkrümmel für die Masse werden zwar weniger und demokratische Mitbestimmungsmöglichke­iten abgebaut, doch wenn sich Millionen in aller Welt über Siege berauschen und über Niederlagen ärgern können, wenn Schiedsrichter wegen vermeintlicher oder tatsächlicher Fehlentscheidungen zu Hass-Objekten mutieren, wird zur Selbstverständlichke­it, dass solch Peanuts nicht von Bedeutung sind, wird zur Selbstverständlichke­it, dass in ganz Europa – ausser in Irland – die Bürger und Bürgerinnen nirgends über den EU-Reformvertrag abstimmen dürfen.

Und ebenfalls kein Platz bleibt für eine Debatte über soziale Fragen. Zwar ist Österreich schon jetzt ein Schlaraffenland für die Superreichen, die ihr Geld in Privatstiftungen „parken“, doch damit nicht genug, denn Raffgier kennt bekanntlich keine Grenzen. Vizekanzler Molterer & Konsorten haben sich für eine weitere Entlastung der Privatstiftungen stark gemacht und die SPÖ hat letztendlich – wie nicht anders zu erwarten – einmal mehr bereitwillig kapituliert. Der Eingangssteuersatz für Privatstiftungen wird von 5 auf 2,5 Prozent gesenkt, was Bundeskanzler Gusenbauer als „sehr vernünftige Regelung“ bezeichnet.

Wer eine öffentliche Debatte über diese sozialpolitische Wahnsinnstat erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden, denn in den kommenden Wochen werden Sieg & Niederlage des ÖFB-Teams und der Verlauf der EM 2008 die öffentliche Debatte bestimmen und unsere unabhängigen Medien werden ihren Teil dazu beitragen, dass einzig und allein der sportliche Mega-Event im Mittelpunkt steht.

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