Die KPÖ-Frauen fordern: "Die Scheren müssen geschlossen werden."Von Heidi Ambrosch (7.3.2008)
In ihrem jüngst erschienenen „Weißbuch Frauen / Schwarzbuch Männer“ schreiben Sibylle Hamann und Eva Linsinger: „Gleichberechtigung ist kein Luxus, sondern eine Sache der ökonomischen Vernunft. Eine neue gerechte Rollenverteilung tut allen gut: Frauen, Kindern, der Politik, der Wirtschaft – und den Männern.“ Ihr Plädoyer „für einen neuen Geschlechtervertrag“ basiert auf den bekannten Daten und Fakten der strukturellen Diskriminierung, die einmal mehr im Buch zusammengefasst sind.
Aber neoliberale Politik und schon gar nicht die ihr diktierende Macht der kapitalistischen Ökonomie hat was mit solcherart Vernunft am Hut. Auch patriarchale Machtverhältnisse sind alles andere als vernünftig. Und so vermisse ich die Bearbeitung der eigentlichen Frage:
Warum tritt Halbe/Halbe, die Quote in wesentlichen Bereichen seit Jahrzehnten auf der Stelle? (Davon abgesehen geht es nicht um gerechtere Rollenverteilungen, wenngleich ich manchmal den Eindruck habe, die Wirklichkeit bietet immer noch den idealsten Stoff für zeitgenössisches Theater)
Die Dialektik der gesellschaftlichen Verhältnisse ist simpel nach dem Brechtschen Ausspruch: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich. Ohne Diskriminierung keine Privilegien. Ohne Arbeitslosigkeit kein Lohndumping, ohne Abwertung von Frauenarbeit keine Lohndifferenz, die den Unternehmen größere Profite sichert und selbst bei verantwortungsbewussten Männern wenig Spielraum lässt, eine geteilte Karenzzeit zu überlegen. Weniger verantwortungsbewussten Männern vermittelt sie auch eine Art von Glauben, ihr Anteil an der gesamtgesellschaftlichen Arbeit wäre bedeutender, obwohl bereits auf UNO-Frauenkonferenzen nachgewiesen wurde, 2/3 dieser leisten Frauen!
Ohne gesellschaftlicher Verantwortung für die Reproduktion, wie auch die Betreuung der kranken und älteren Mitglieder der Gesellschaft, der Individualisierung dieser zu Lasten der Frauen, haben Männer mehr Freizeit bzw. mehr Zeit, sich in die politischen Gremien einzubringen oder ihre Netzwerke an diversen Stammtischrunden zu verfestigen und natürlich sind es auch weniger Kosten für das System, siehe Pflegedebatte. (Diese Liste ist nur ein kleiner Ausschnitt von vielen Gegensätzen, die das System braucht)
Das System ist der Fehler!
Was sich in der Psychotherapie bereits als anerkannter Ansatz etabliert hat, ist leider in die Politik, in die Analyse der Produktions- und Geschlechterverhältnisse noch nicht vorgedrungen. Die patriarchale, kapitalistische Produktionsweise basiert auf der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und schon immer auch auf der zwischen Einheimischen und Minderheiten / JüdInnen / MigrantInnen.
Da hilft kein Appellieren an die Vernunft. Da braucht es ein anderes Betriebssystem! Aber diese Denkweise scheint im Computeralltag angekommen, abgeschnitten zu sein. Vielleicht ist der Zwang, seine PC-Festplatte permanent neu formatieren zu müssen, ein wesentliches Hindernis, die Bewegungen im eigenen Kopf zu bedenken?
So radikal wie die Teuerung bei gleichzeitigem Lohndumping immer mehr Menschen, insbesondere Frauen in die Armut, in ein prekäres Leben treibt – so radikal, wie rassistische Hetze um sich greift – so radikal wie militante AbtreibungsgegnerInnen Frauen terrorisieren (auch diese Liste ließe sich fortsetzen) - so radikal muss unsere Antwort sein und den Kern des Systems treffen, in seinen vielfältigsten Verflechtungen von kapitalistischer und patriarchaler Herrschaftsverhältnisse.
Der Kern ist die private Aneignung der Arbeitsleistung anderer Menschen, im Beruf wie im Alltag, privat. Diesen Kern zu treffen, heißt nachhaltige Forderungen zu entwickeln, die vor allem Frauen samt ihren möglichen Nachkommen ein, sowohl vom männlichen Ernährer (immer mehr eine Ausnahmeerscheinung) als auch von staatlicher Fürsorgepolitik, unabhängiges Leben als Recht garantieren.
Um nicht weniger geht es uns KPÖ-Frauen am Internationalen Frauentag und wir fühlen uns mit diesem Begehren in den Frauen / Lesbenaktionen in allen österreichischen Städten verbunden und rufen zu ihrer Unterstützung, zur Teilnahme an diesen auf.