
Von Michael Graber (18.6.2008)
Bravo könnte man sagen. Endlich greift der SP-Finanzstaatssekretär Matznetter dort hin wo das Geld ist, um es für soziale Zwecke umzuverteilen. Der umtriebige Mann schlägt eine Sondersteuer (Robin Hood-Steuer) auf die Gewinne der Ölkonzerne vor und möchte auf diese Weise der ÖMV 100 Millionen Euro abknöpfen.
Die ÖMV hätte in den Jahren 2003 bis 2007 ihren Gewinn verviefacht, ihre Steuerleistung aber nur verdreifacht, so Matznetter. Ja so ist es. Aber warum? Seit 2005 gilt für die großen Konzerne neben anderen zusätzlichen Begünstigungen ein wesentlich geringerer Körperschaftsteuersatz: Statt 34% nur mehr 25%. Die Körperschaftsteuer ist die Einkommensteuer der Kapitalgesellschaften.
Was bedeutete das für die ÖMV? Sie zahlte 2005 487,8 Millionen Euro Steuern (vom Einkommen und vom Ertrag) . Das waren 25% vom Gewinn. (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit). 2006 waren es 506 Millionen Euro Steuern oder 23,5% vom Gewinn und 2007 569,3 Millionen Steuern oder 23,6% vom Gewinn.
2006 und 2007 erreichte die Steuerleistung nicht einmal den niedrigen Regelsteuersatz von 25%. Die Großen können es sich bekanntlich trotz explodierender Profite durch legale Steuertricks richten.
Entscheidend für die Beurteilung des mutigen Vorstoßes Matznetters ist aber folgendes: Bestünde der bis 2004 gültige Körperschaftsteuersatz von 34% weiter, hätte die ÖMV 2005 622,2 Millionen Euro Steuer zahlen müssen, 2006 733,1 Millionen und 2007 844,2 Millionen Euro. Das sind zusammen 2.239,5 Millionen Euro in den letzten drei Jahren.. Tatsächlich gezahlt hat die ÖMV aber nur 1.563,4 Millionen Euro.
Die Differenz beträgt 676,1 Millionen Euro. Diesen Betrag hat die neue Gesetzeslage der ÖMV geschenkt. Das sind in alter Währung 9,3 Milliarden Schilling!
Nun, so könnte man sagen, das war die schwarz-blau-orangene Regierung mit dem ehemaligen Stronach-Schützling und derzeitigen Meinl-Investor Grasser.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Als oppositioneller Budget-und Finanzsprecher der SPÖ hat Matznetter die Körperschaftsteuersenkung ausdrücklich gefordert und begrüßt. Jetzt will er weniger als ein Sechstel(!) des Steuergeschenks zurückholen. Hätte sich Robin Hood so verhalten, er wäre nicht als Rächer der Armen, sondern als verlogener Höfling im Gedächtnis geblieben.
Aber wahrscheinlich wird die ÖVP nicht einmal einer solchen Beruhigungspille zustimmen und die SPÖ weiter auflaufen lassen. Wovor soll sie sich denn auch fürchten?