Von Melina Klaus (8.5.2008)
Circa acht Millionen Rosen werden diesen Sonntag in Österreich verschenkt werden. Nun ist der Muttertag ohnehin verzichtbar, denn er nervt aus vielerlei Gründen: das Abfeiern der häuslichen Arbeitsteilung, die Anerkennung für Hausarbeit jedoch zelebriert nur einmal im Jahr, die Ehre den Frauen, die richtige Frauen sind, nämlich Mütter, und so weiter. Auch wenn diverse Entstehungsgeschichten kursieren, den Durchbruch und neue Weihen erhielt dieser Tag während des Nationalsozialismus (1933 wurde der Muttertag in Deutschland offizieller Feiertag) und seitdem lässt vor allem der Blumen- und Einzelhandel nicht zu, dass er in der Versenkung verschwindet. Also die Rosen, die da gestreut werden haben symbolisch schon viele Dornen.
Zu all den prinzipiellen Übeln kommen konkret auch noch Tonnen von Schnittblumen, die Mutti vielleicht kurz Freude machen, doch wer fragt sich dabei, woher die Blumen kommen? Muttis und Vatis in Kolumbien, Ecuador, Guatemala, Kenia, Uganda, Sambia oder Äthiopien schneiden und verpacken die Rosen für den Liebesbeweis. Allein aus Afrika werden jährlich in die EU 3,5 Milliarden geschnittene Rosen importiert. ÖsterreicherInnen gehören übrigens zu den Schnittblumenkauf-SpitzenreiterInnen, rund 45 Millionen Euro geben wir im Jahr für Schnittblumen aus!
Für viele der rund 200.000 BlumenarbeiterInnen in Afrika und Lateinamerika – zwei Drittel von ihnen Frauen – bedeutet eine Beschäftigung in der Blumenindustrie oft die einzige Chance auf ein geregeltes Einkommen. Allzu häufig sind damit aber miserable Arbeits- und Lebensbedingungen verbunden. Während wir uns in Europa am Duft von Blumen erfreuen, machen Blumen auf den Plantagen in Ländern wie Kenia oder Kolumbien viele ArbeiterInnen krank. Manche der eingesetzten Insektizide, Fungizide, Herbizide oder Bodenschutzmittel sind in der EU oder den USA auf Grund ihrer hohen Giftigkeit verboten. Schutzmaßnahmen bei der Anwendung der Pestizide werden häufig nur unzureichend oder gar nicht eingehalten. Die Folgen sind gesundheitliche Schäden. Den ArbeiterInnen fehlt es nicht nur an Schutz, was ihre Gesundheit und Sicherheit betrifft, auch die sonstigen Arbeitsbedingungen sind oft katastrophal. Viele der BlumenarbeiterInnen verfügen über keine geregelten Anstellungen oder schriftliche Arbeitsverträge. Auf vielen Farmen werden ArbeiterInnen, die erkranken oder versuchen sich gewerkschaftlich zu organisieren, einfach unter dem nächstbesten Vorwand entlassen. Viele schuften bis zu 14 Stunden am Tag für Niedrigstlöhne. Überstunden werden oft nicht bezahlt.
Mit 130 Filialen in Österreich ist ‚Holland Blumen Mark‘ der zweitgrößte Blumenmarkt Europas. Das sind Mengen. Das bedeutet Verantwortung. Die der ‚Mark‘ allerdings nicht wahrnimmt! Also Druck zu machen zahlt sich bei diesen Mengen umso mehr aus! Die NGO Südwind hat zu diesem Zwecke Postkarten entworfen, mittels derer KonsumentInnen die größtmögliche Transparenz der Blumen-Herkunft und fairgehandelte Schnittblumen einfordern können. Die gibts nämlich auch. Zum Muttertag angeblich auch bei Billa, Merkur und Spar.
In diesem Sinne – statt Muttertag Frauentag, statt einmal-im-Jahr-Frühstück-machen Hausarbeit in den Haushalten teilen und statt unfairer Schnittblumen als Geschenk, unter deren Herstellung Menschen leiden, finden sich sicher Ersatz-Gimmicks, die Freude machen!
ps.: Südwind hat anlässlich des Muttertags das 30-seitige
Hintergrundinfomaterial „Sag´es durch die Blume Arbeitsbedingungen,
Kaufalternativen, Aktionsvorschläge“ herausgebracht.
Es ist kostenlos zu bestellen bei: Südwind Agentur, Laudongasse 40, 1080 Wien,
Tel.: 01 405 55 15, E Mail: suedwind.agentur@suedwind.at