Ausschnitt aus dem FilmposterVon Michael Graber (12.11.2008)
Dieser Zwischentitel aus dem Film lets make money trifft den Kern der Sache.
77.000 Millionäre in Österreich, ein paar Millionen unter 6,5 Milliarden Menschen, die die ungeheuren Reichtümer, die auf dem Planeten produziert werden, auf sich konzentrieren wie lange können wir uns ein solches Wirtschafts-und Sozialsystem leisten?
Lets make money wurde knapp vor dem Finanzcrash, der in den vergangenen Monaten die kapitalistische Welt erschüttert, fertig gestellt. Der Film zeigt aber die finanzkapitalistische Normalität, die den Crash hervorgebracht hat. Er zeigt, wie die in aller Welt, von der dritten bis zur ersten, geschaffenen Werte, Schritt für Schritt von ihren Erzeugern weg in undurchschaubare Finanzprodukte und Finanzkonstruktionen verwandelt und von einer weltweit tätigen Finanzindustrie hin und hergewälzt werden, bis sie als abstrakter und/oder fiktiver Reichtum als Hebel für noch mehr Ausbeutung, Unterdrückung und sozialer Perversion dienen können.
Wer die Funktionsweisen des gegenwärtigen Kapitalismus nachvollziehen und verstehen will, soll sich eine Kinokarte oder DVD besorgen. Sie ersetzen aufs erste viele Lehrbücheln. Warum müssen Frauen, ihre Babys neben sich, in Ghana Steine klopfen? Warum kommt Burkino Faso, trotz weltbester Baumwolle nicht aus der Armut heraus? Warum treibt sich Herr Mirko Kovacs in Indien herum? Warum hat sich die spanische Costa del Sol in einen Zement-Tsunami verwandelt, der aus zehntausenden leeren Häusern besteht? Warum haben die weltweit agierenden Großbanken und Finanzkonzerne Vertretungen auf der Kanalinsel Jersey, die doch nur von einigen tausend Menschen bewohnt wird? Warum fahren wir in Wien in einer angeblich öffentlichen Straßenbahn, die einem US-Investor gehört?
Der Film geht den Fragen nach und entläßt die ZuschauerInnen mit der Überzeugung, in einem perversen Gesellschaftsystem zu leben. Das ist heute viel, deshalb ist er für Die Presse peinlich, unerträglich dumm, Schwachsinn, eine Rocky Horror Picture Show of Economics, die die Vorteile der Globalisierung ausklammert.
Wir aber können den Film nur dringend empfehlen. Der SPD-Abgeordnete und Träger des Alternativen Nobelpreises Herrmann Scheer entläßt die ZuschauerInnen mit der Anklage, daß dieses System in der Barbarei münden wird.
Aber befinden wir uns nicht schon darin?