Die Selbstheilungskräfte der Märkte
Von Didi Zach (24.3.2009)
Sonntag Abend. Glotze ist angesagt. Uuuuups – auf die deutsche Kanzlerin
Angela Merkel wollt ich eigentlich nicht stoßen. Na ja – kurz reinhören
wird ja nicht schaden. Es geht natürlich auch um die Wirtschaftskrise. Und die
Kanzerlin spricht Klartext: Es gab – so Frau Merkel – „Exzesse an den
Märkten, deshalb müssen wir jetzt auch staatlicherseits dafür sorgen, dass
die Selbstheilungskräfte der Märkte überhaupt wieder wirken können.“
Ich ärgere mich, beschließe, meinen Tageskommentar Frau Merkel, den Staats-
und Regierungschefs der G20, die sicherlich alle genau so denken, und den sich
selbst-regulierenden Märkten, von welchen eigentlich nur Autisten bzw.
Verbrecher schwärmen können, zu widmen. Ich begebe mich also auf die wenig
anstregende Suche nach ein paar Fakten, die deutlich zeigen, wie es um die
„Selbstheilungskräfte“ der Märkte (selbst in Normalzeiten)
bestellt ist.
- 2006 hungerten 842 Millionen Menschen – d.h. rund 12 % der gesamten
Weltbevölkerung.
- Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind an mangelhafter Ernährung, täglich
verhungern 24.000 Menschen.
- Die Zahl der Menschen, die mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auskommen,
ist zwischen 1990 und 2000 in Osteuropa und Zentralasien von 6 Millionen
Menschen auf 20 Millionen gestiegen. In Afrika südlich der Sahara von 241 auf
323 Millionen.
- 2 Milliarden Menschen rund ein Drittel leben ohne Elektrizität.
- Jene 7 Milliarden US-Dollar, die nötig wären, um 2,6 Milliarden Menschen
einen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen, sind weniger, als
US-StaatsbürgerInnen für Schönheitschirurgie ausgeben.
- Das Vermögen der drei reichsten Personen ist größer als das gemeinsame
BIP der 48 am wenigsten entwickelten Länder mit 600 Millionen
EinwohnerInnen.
- Verdienten die US-Spitzenmanager 1980 erst 41 Mal so viel wie die
ArbeiterInnen, war es 1990 bereits das 85fache und 2000 schon 531 Mal
so viel.
- Die USA geben jährlich 450 Milliarden Dollar für Rüstung und Militär
aus – aber nur 15 Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe. Weltweit werden
900 Milliarden für Militär ausgegeben und 56 Milliarden für
Entwicklungshilfe.
- Die 500 weltgrößten Unternehmen beschäftigen 0,05% der Weltbevölkerung,
kontrollieren jedoch 70% des Welthandels, 80% der Auslandsinvestitionen und
25% der Weltproduktion.
- Rund 20 % der weltweiten Bankeinlagen liegen in Steueroasen.
Alle Fakten laut Attac-Österreich –
Stand Oktober 2006
Ps.: Infos zur Demo am 28. März Wir zahlen
nicht für Eure Krise