
Von Bärbel Mende-Danneberg (24.3.2009)
Mit Vehemenz führt das Patriarchat seinen geschlechternormierten Stellungskrieg. Die Ergebnisse sind drastisch: Auseinanderklaffen von männlichen und weiblichen Einkommen, Anwachsen der Frauenarmut, Umweltzerstörung, Gewaltszenarien im internationalen und zwischenmenschlichen Bereich und nun als Höhepunkt: Wirtschaftskrise. Patriarchats- und Kapitalismuskritik gehören zusammengedacht. Dass feministische Fragestellungen aber auch in der Linken vernachlässigt, ja ignoriert werden, ist nicht erst seit dem legendären Tomatenwurf im Deutschland der 68er-Bewegung bekannt.
Wie feministisch ist die Linke? Wie links ist der Feminismus? lautete somit das Motto einer Konferenz des feministischen Netzwerks der Europäischen Linkspartei (El-fem), die von den österreichischen El-fem-Netzwerkfrauen (El-femA) organisiert wurde und die am vergangenen Sonntag in Wien zu Ende ging. Dem El-fem-Netzwerk gehören Frauen aus linken Parteien und nichtorganisierte Frauen aus ganz Europa an. Dementsprechend bunt gestalteten sich die Inhalte der rund 150 Teilnehmerinnen, die aus allen geographischen Richtungen Europas im Kolpinghaus zusammenkamen und ein Wochenende lang linke Ansprüche aus feministischer Sicht vorstellten und in Workshops diskutierten.
Bereits am Freitagabend sorgte Frigga Haug (Deutschland) mit ihrer utopischen Vier-in-einem-Perspektive für angeregten Gedankenaustausch. Dabei geht es um Gerechtigkeit bei der Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesenarbeit und Entwicklungschancen (siehe auch: KPÖ-frauensite ). Wurden diese vier Bereiche lange Zeit getrennt verfolgt, liefert Frigga Haug einen Kompass, der die unterschiedlichen Projekte auf einen Zusammenhang orientiert. Diese Bündelung, so Haug, ist wahrhaft kritisch, ja revolutionär, während jeder Bereich für sich genommen früher oder später zu versanden pflegt oder reaktionär zu werden droht. Geschlechterverhältnisse sind als Produktionsverhältnisse zu begreifen. Diese feministische Einsicht gilt es in die Höhle des marxistischen Löwen zu tragen. Vier Stunden Arbeit, vier Stunden für die Reproduktion von Leben und Natur, vier Stunden für die Entwicklung von Fähigkeiten und vier Stunde politische Einmischung bei acht Stunden Schlaf sind Tag und Nacht somit ausgefüllt. Und erfüllt von sinnvollem Tun.
Bleibt die Frage: Wovon leben? Hier wurden das existenzsichernde Grundeinkommen, die gerechte Verteilung von finanziellen Ressourcen, Umverteilung und Auflösung der profitorientierten Arbeitsorganisation diskutiert. Und immer wieder die Frage: Wo ging im Marxismus die Frauenfrage verloren?
Nach einem Frauenfest im Frauenzentrum sorgten am nächsten Tag die Vorträge für intensive Diskussionen am Podium und in den Workshops. Über alle an diesen Tagen aufgeworfenen Themen, wie auch über weitere Schlussfolgerungen und weiterführende Initiativen wird noch ausführlicher gesondert zu berichten sein.