
Von Hile Grammel (11.12.2009)
1981 wurde dieser Tag bei einem Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen in Erinnerung an die Schwestern Mirabal zum Gedenktag für die Opfer von Gewalt an Frauen ausgerufen. Patria, Minerva und Maria Teresia Mirabal waren am 25. November 1960 durch die Schergen von Rafael Trujillo, damals Diktator der Dominikanischen Republik, ermordet worden, weil sie sich einer Bewegung von Aufständischen angeschlossen hatten, die seinen Sturz zum Ziel hatte.
1999 wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen offiziell als Aktionstag initiiert, eine Gelegenheit für immer mehr Frauen auf der ganzen Welt, auf patriarchale, sexistische, diktatorische, kapitalistische und rassistische Gewaltverhältnisse aufmerksam zu machen und dagegen zu protestieren.
Die diesjährige Demonstration zum 25. November stand unter dem Motto: Laut, wild und unbeherrschbar Für ein selbst bestimmtes Leben! und wurde im Wesentlichen von autonomen Feministinnen organisiert. Treffpunkt war der Praterstern, weil es in der Gegend besonders häufig zu sexualisierten Übergriffen und Vergewaltigungen von Frauen kommt. Dabei hatte die Wahl des Ortes aber eher symbolischen Charakter, denn eigentlich müssten wir durch die Wohn- und Schlafzimmer gehen, da Vergewaltigungen nur zu einem geringen Teil im öffentlichen Raum und durch unbekannte Täter erfolgen, sondern in Privatwohnungen und überwiegend durch Männer, die die betroffenen Frauen kennen. Laut Statistik wird in Österreich stündlich eine Frau Opfer einer Vergewaltigung und werden pro Jahr an die 40 Frauen ermordet, wobei die Täter mehrheitlich die (Ex-)Lebenspartner sind. Direkte An-, Über- und Zugriffe auf Leib und Leben von Frauen sind aber nur die Spitze eines Eisberges. Obwohl sich Männergewalt gegen Frauen meistens gegen eine ganz konkrete Frau richtet, ist nicht diese alleine gemeint. Gewalt gegen Frauen dient vielmehr der Aufrechterhaltung und Absicherung patriarchaler Herrschaft, zu deren Aspekten der möglichst uneingeschränkte Zugang zu Frauenkörpern und Nutzungsrechte auf diesen aber auch die unbezahlte und Gratisarbeit von Frauen gehören, die zur Bereicherung von Männern dient.
Demo gegen Gewalt an Frauen untersagt
Wenngleich die Demonstration regulär angemeldet war, wurde sie heuer erstmals untersagt, weil die Beeinträchtigungen für die Öffentlichkeit schwerer wiegen als die Interessen der Veranstalterinnen. Mit den Beeinträchtigungen der Öffentlichkeit waren die zu erwartenden Verkehrsstaus und die daraus folgende Gesundheitsgefährdung durch erhöhte Lärmbelästigung und vermehrten Abgasausstoß gemeint. Nicht nur, dass diese Argumentation demokratiepolitisch bedenklich ist, sie zeigt auch einmal mehr das fehlende Bewusstsein darüber, dass auch Verkehrspolitik nach Geschlechterkriterien geordnet ist. Individualverkehr ist schließlich Männersache, der Besitz von Autos ebenso, während statistisch gesehen Frauen diejenigen sind, die eher öffentliche Verkehrsmittel benutzen und nicht so weit reisen.
Letzten Endes ist also auch die Raumnahme durch die Demonstrantinnen als Protest gegen strukturelle Gewaltverhältnisse anzusehen. Bleibt nur die Frage, ob die Behörden diese Sichtweise teilen, denn es gab eine polizeiliche Vorladung der Organisatorinnen.
Die Demonstration wurde trotz Untersagung abgehalten.