Bildquelle: Satireblog (http://swiss-lupe.blogspot.com)Von Waltraud Fritz-Klackl (20.10.2009)
Schon vorige Woche anlässlich einer großen Demonstration in Rom für Pressefreiheit nahm Lothar Bisky, Vorsitzender der Linksfraktion GUE/NGL im Europäischen Parlament zur Situation in Italien Stellung: Er forderte die Europäische Kommission auf, raschest Maßnahmen zur Sicherung dieses Grundrechtes zu ergreifen.
„Dank seines Medien-Imperiums und seiner politischen Macht monopolisiert Berlusconi die Information, sodass es keinen Raum mehr für die offene Kritik gibt. Seine Klagen auf Schadenersatz gegen die italienischen Zeitungen "La Repubblica“ und „L'unità“, gegen die spanische Zeitung „El pais“ und die französische „Le nouvel observateur“ sowie die Hetzkampagne der Berlusconi-eigenen Medien gegen den ehemaligen Chefredakteur der Bischofszeitung „Avvenire“ sind politisch und rechtlich ein Skandal und stellen eine unerhörte Verletzung der Meinungs- und Informationsfreiheit in Italien dar."
Offenbar unbeeindruckt von diesen Protesten Hundertausende im eigenen Land und vielen weiteren betroffenen Stimmen aus dem Ausland setzt Berlusconi seine Medienmacht immer dreister ein. Aufnahmen, die einen Mailänder Richter morgens beim Verlassen seines Hauses und beim Zeitungskauf zeigen, wurden auf Berlusconis Fernsehsender „Kanal 5“ ausgestrahlt. Unmissverständlich war die Botschaft: „Wir haben Dich im Visier.“
Die Popularität von Berlusconi ist indessen ungebrochen. Das beweist folgende leider wahre Geschichte. Ein einfallsreicher italienischer Bürger wollte sich einen Scherz erlauben und rief im Internet zu einer Kampagne für die Seligsprechung Silvio Berlusconis auf. Dafür bat er auch um Geldspenden. Auch eine (fiktive) Kontonummer war angegeben. Binnen weniger Tage erhielt der Initiator mittlerweile war ihm das Lachen vergangen nicht weniger als 85.000 Anfragen von verzeifelten potentiellen SpenderInnen, die an der Überweisung wegen der falschen Kontonummer gescheitert waren. Ihr Geld wollten sie aber unbedingt für „die gute Sache“ loswerden. Sie scheuten weder Kosten noch offensichtlich die Mühen, den Initiator der Kampagne auf seinen „Irrtum“ aufmerksam zu machen. Wie viele ItalienerInnen Überweisungen versucht haben, und, als es nicht klappte, aufgaben bzw. wie viele das ganze bloß für eine gute Idee hielten und zu einem späteren Zeitpunkt spenden wollten, wagt man/frau sich gar nicht vorzustellen. Zu den Seliggesprochenen der letzten Jahre allerdings würde Berlusconi perfekt dazu passen.