KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Das Imperium der Schande

Von Didi Zach (9.3.2010)

Jean Ziegler, lange Jahre UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf Nahrung, nimmt sich kein Blatt vor den Mund, wenn es um die „strukturelle Gewalt“ der herrschenden kapitalistisch strukturierten Weltordnung und deren Folgen für Milliarden Menschen in den Ländern des Südens geht.

Ziegler sieht die „despotischen Herrscher“ des Feudalismus in neuer Machtfülle auferstanden: „Die neuen kapitalistischen Feudalsysteme besitzen nunmehr eine Macht, die kein Kaiser, kein König, kein Papst vor ihnen je besessen hat. Die 500 mächtigsten transkontinentalen kapitalistischen Privatgesellschaf­ten der Welt (…) kontrollierten im Jahr 2007 53 Prozent des Weltbruttosozi­alprodukts, das heißt aller in einem Jahr auf der Welt produzierten Reichtümer.“

Auch Winfried Wolf hat sich in seinem lesenswerten Buch „Sieben Krise, ein Crash“ (2009 im Promedia Verlag erschienen) mit den Folgen der Globalisierung auf den Süden beschäftigt. Wolf verweist darauf, dass laut UNO noch in den 60er Jahren „nur“ 80 Millionen Menschen von Hunger betroffen waren, während gegenwärtig trotz und wegen der Globalisierung rund eine Milliarde Menschen hungern.

Wolf erläutert an Beispielen, wie funktionierende lokale Versorgungsein­heiten, deren Basis die Subsistenzwir­tschaften waren, zerstört wurden – u.a. durch die bombastische Subventionierung der Landwirtschaften in Industriestaaten und der agrarischen Exporte in Dritte-Welt-Länder. Ab Ende der 1990er Jahre wurde z.B. in wachsendem Umfang Hühnerfleisch aus der EU in westafrikanische Länder, die sich zuvor weitgehend selbst versorgen konnten, exportiert. Aufgrund der Subventionierung war das europäische Hühnerfleisch wesentlich preisgünstiger als das einheimische – die Folge: „Die (lokalen) Geflügelfarmen und viele Kleinproduzenten mussten aufgeben. Allein in Kamerun gingen im Jahr 2004 120.000 Ar­beitsplätze in dieser Branche verloren“ (S. 134f).

Wolf verweist auch auf ein scheinbares Paradoxon. Obwohl nur ein geringer Teil der global produzierten Nahrungsmittel in den Welthandel gelangt (bei Getreide wird von zwölf Prozent, bei Fleisch- und Milchprodukten von sieben Prozent gesprochen), wird „der Preis aller strategisch wichtigen agrarischen Erzeugnisse (welchen 4 Global-Players beherrschen) an US-amerikanischen Börsen bestimmt“ (S. 138ff). Wolf bringt auch Zahlen, die eindrucksvoll dokumentieren, wie viel Kapital innerhalb kürzester Zeit in die Bereiche „Index trading“ und Termingeschäfte mit agrarischen Primärgütern geflossen ist. „Investierten“ institutionelle Investoren 2003 „nur“ 13 Mrd. US-$ in diesem Bereich, so war die Zahl bis zum Jahr 2008 auf 260 Mrd. US-$ angestiegen. Ab 2006 kam es zugleich zu einem rapiden Anstieg der Preise für Grundnahrungsmittel – Reis, das wichtigste Grundnahrungsmittel für die Hälfte der Weltbevölkerung, wurde innerhalb von 2 Jahren um fast 150 Prozent teurer.

Buchtipp:

Winfried Wolf

Sieben Krisen – Ein Crash

2009 Promedia Wien, 253 Seiten

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