KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Entsolidarisierung

Bekämpfung sozialer Missstände, Bildung für Alle, Pensionen und Löhne, die zum Leben reichen – das alles und eine Mindestsicherung, die den Namen verdient, ist finanzierbar. Das Zauberwort heißt Umverteilung

Von Christiane Maringer (16.4.2010)

Herr Rauscher kritisiert in einem Kommentar diese Woche, dass die Jungen Menschen in Österreich nicht lesen und schreiben können. Daher keinen Job finden. Leider ist seine Schlußfolgerung daraus hanebüchen!

Unter „Kein Kottan-Witz“ beklagt Rauscher, dass 41 Prozent der BewerberInnen für den Polizeidienst an den Deutschkenntnissen scheitern würden. Am Migrationshin­tergrund der jungen Menschen läge es nicht, da sich lediglich sieben Prozent aus dieser Gruppe dort bewerben.

Was in diesem Fall in Prozentzahlen festgestellt wird gilt natürlich auch für andere Berufe. Jugendliche, die nicht rechtschreiben, nicht einmal „sinnverstehend lesen“, oder mit den Grundrechnungsarten umgehen können, werden vermutlich keine Lehrstelle finden. Rauscher: „Hier entsteht schon längst ein Subproletariat von arbeitslosen Jugendlichen aus oft schrecklichen häuslichen Verhältnissen, ohne Schulabschluss, mit Garantie auf No Future. Wer ist Schuld? Am ehesten ein gesellschaftliches Klima, in dem Bildung, Wissen, Intellekt keine große Werte sind.“ Bis dahin können wir dem Journalisten des Standard noch folgen.

Die Bösartigkeit liegt im nächsten Satz, noch immer zur Schuldfrage: „Eine Politik, die Pensionsprivilegien statt Schulen und Unis finanziert “

Rauscher bleibt damit voll auf der Blattlinie des Standard, der sozialpolitische Lösungsansätze links von Faymann ignoriert. Da bleibt dann, sich mit den Krümeln zu beschäftigen. Obwohl den JournalistInnen, nicht nur in dieser Redaktion, die Zahlen der Reichtumsverteilung im Land natürlich bekannt sind *). Der mediale Begleitchor zur laufenden Budgetdebatte soll dafür sorgen, dass alles beim Alten bleibt. Wer wirklich vermögend ist in diesem Land muss sich keine Sorgen machen, die Schuldigen für die Misere sind bereits festgemacht.

Nach „den Ausländern“, LehrerInnen und Beamten sind eben jetzt die PensionistInnen dran – und die Entsolidarisi­erungsspirale dreht sich weiter.

*) Ein Prozent der Bevölkerung besitzen ein Drittel des gesamten Vermögens in Österreich. Weitere neun Prozent das zweite Drittel davon. Somit müssen sich 90 Prozent das verbleibende letzte Drittel teilen.

Daraus entsteht, dass obwohl Österreich das achtreichste Land der Welt und das viertreichste Land der EU ist, es in unserem Land über eine Million armutsgefährdete Menschen gibt. Menschen, die mit weniger als 893,– Euro im Monat ihren gesamten Lebensunterhalt bestreiten müssen. 230.000 Menschen gelten als „Working Poor“ weil sie trotz Erwerbstätigkeit weniger verdienen als die Armutsschwelle. 459.000 Menschen, darunter 101.000 Kinder, gelten als akut arm und müssen sich in grundlegenden Lebensbereichen substanziell einschränken.

Bereits 77.700 Millionäre in Österreich Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist finanzierbar. Umdenken und politischen Willen vorausgesetzt: Der Standard: Kein Kottan-Witz