KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Darf man eine gute Sache kritisieren? Man muss!

Von Claudia Krieglsteiner (9.10.2011)

Seit zehn Jahren gibt es in Wien die Aktion „Eine STADT. Ein BUCH.“ für die ein eigens dafür gedrucktes Exemplar in der Auflage von 100.000 in der Stadt gratis verteilt wird. In Zeiten des sich verbreitenden (sekundären) Analphabetismus und der vom Aussterben bedrohten Kulturtechniken Schreiben und Lesen eine gute Intitiative!

Und eine, die auch andernorts angekommen ist: Heuer gibt es die Aktion zum 10-jährigen Jubiläum zeitgleich auch in Berlin.

Geht's eigentlich noch?

Dann liest man aber, eben aus Anlass des Jubiläums, die Liste der bisherigen Bücher, die man so genau nicht im Kopf gehabt hätte und fragt sich, ob es wirklich kein Eckchen – nicht einmal im fortschrittlich kulturbeflissenen Kämmerchen – gibt, indem irgendwelche Auswirkungen der Kämpfe der Frauenbewegungen spürbar sind: Frederic Morton: „Ewigkeitsgasse“, Nobelpreisträger Imre Kertész: „Schritt für Schritt“, Johannes Mario Simmel: „Das geheime Brot“, Oscargewinner John Irving: „Laßt die Bären los!“, Nobelpreisträgerin Toni Morrison: „Sehr blaue Augen“, Nick Hornby: „Fever Pitch“, Ruth Klügers Autobiografie „weiter leben“, Irvin D. Yaloms Roman „Und Nietzsche weinte“ und im Vorjahr Dai Sijie mit seinem Roman „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“. Und nun 2011 Mario Vargas Llosa mit „Der Geschichtener­zähler“.

Von den 10 ausgewählten Büchern stammen genau zwei von Frauen. Sicher wäre es eine reine Selbstverständlichke­it die AutorInnenschaft dieser Bücher zu quotieren. Da müsste gar nicht darüber gesprochen werden. Aber Frauen schreiben halt leider keine Bücher.