KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Märchenstunde oder Realitätsverlust?

Von Heidi Ambrosch (23.2.2011)

„Am Ende dieses Jahrhunderts wird die ganze Welt reich sein“

Mit dieser frappant klingenden Aussage wird der Wirtschaftsno­belpreisträger Edward Prescott in der Presse vom 19. Februar im Aufmacher zitiert. Wer mit solchen Aussagen rund eine Million Euro Preisgeld kassieren konnte, hat vielleicht schon jeglichen Realitätsbezug verloren?

Die wirtschaftshis­torischen Verdrehungen und Fehlanalysen des Artikels wurden bereits in einem Gastkommentar am 22. Februar offengelegt.

Mir stellte sich die Frage, was bezweckt der Artikel? Beruhigung, sorgt euch nicht um die Zukunft? Auch nicht um die historischen Tatsachen, glaubt lieber unsere Märchen und alles wird gut.

Die Welt ist jetzt schon reich, so reich, dass es keinen Hungertod in der Welt geben müsste. Man denke nur an die schwindelerregenden Nullen bei den Summen, die in die Rüstung oder in Bankenrettungspa­kete fließen und von denen wiederum vieles auf die Privatkonten von Diktatoren in Politik und Finanz. Mit „der Welt“ meint man eben nicht alle in der Welt lebenden Menschen.

Im Artikel werden die glücksverheißenden Millionen kaufkräftiger Mittelschichtler in den Schwellen- und Entwicklungsländern herbeigesehnt, die auch „Europa eine Ernte bescheren, die es nie gesät hat.“ Darin war Europa schon immer gut, den Sähenden anderer Kontinente die Ernte abzupressen. Und so heißt es im Artikel lapidar: „Ein Boom in den Armenhäusern der Erde ist freilich ein schmutziges Geschäft.“ Aber nicht wegen der weiterhin Armen. Mit den damit verbundenen massiven ökologischen Folgen müssen wir eben leben, meinen die zitierten Studienautoren der „Standard Chartered Bank“ (ein 1969 erfolgter Zusammenschluss der British South Africa Bank und der Chartered Bank of India, Australia and China). Entgegen aller Erfahrungen vertreten sie doch tatsächlich die Meinung: Erst starkes Wachstum setze die Mittel für den Umweltschutz frei und wecke ökologische Bedürfnisse bei jenen, deren Eltern und Großeltern noch ums nackte Überleben kämpften. Wie war das doch gleich, die größten Umweltverschmutzer sind die Industrieländer, geführt von den USA.

Die Gleichschaltung der Medien wird von Tag zu Tag unerträglicher. Die Gründung einer kritisch informativen Tageszeitung ist doch nicht nur mir ein Anliegen, oder?