
Von Bärbel Mende-Danneberg (3.11.2012)
So lautete der Titel meiner Volksstimme-Reportage über die Waldviertler Schuhfabrik in Schrems. Damals schilderte ich das einzigartige Konzept eines Unternehmens, das in kollektiver Bescheidenheit einen Kontrapunkt zur Gefräßigkeit unserer Wirtschaft darstellt und das in der strukturschwachen Region 130 Menschen Arbeit gibt. Heute, ein Jahr später, wird dem Gründer dieser GEA-Werkstätte, Heini Staudinger, von der Finanzmarktaufsicht (FMA) ein Strick aus diesem Anders denken gedreht.
Die Vorgeschichte: Vor 13 Jahren wollte Staudinger investieren, doch seine Hausbank gab ihm trotz guter Bilanzen keinen Kredit. Es wurde der GEA Sparverein gegründet, eine einfache Sache, meint Staudinger: Rund zweihundert MitarbeiterInnen und Kunden, Freunde und Verwandte haben rund drei Millionen Euro bei uns eingelegt. Diese Einlagen sind gedeckt durch Warenlager im Wert von mehr als vier Millionen Euro und durch unsere beiden Firmengebäude, in die wir rund vier Millionen Euro investiert haben. Wir haben diese Gebäude so hervorragend saniert, dass wir zum Beispiel 7.000 qm Flächen mit rund 14.000 Euro heizen können. Wir heizen nur mit Sonne und Holz aus der unmittelbaren Umgebung.
Dass für die Banken diese REALEN Werte nichts oder fast nichts mehr wert sind, wirkt in der Krisenregion Waldviertel (und nicht nur hier) krisen-verstärkend. Unzählige Kleinbetriebe kommen deshalb unter Druck, weil die Bank ihre REALEN Werte, für die sie oft jahrzehntelang hart arbeiten mussten, für die Besicherung eines Kredites NICHT mehr gelten lässt, so Staudinger. Die FMA wirft Staudinger einen Verstoß gegen das Bankengesetz vor ein Delikt, das mit 50.000 Euro Strafe bedroht ist. Sie stellte dem Unternehmer ein Ultimatum, allen Privatanlegern ihr Geld zurückzuzahlen, obwohl die sich dagegen wehren.
Ich denke nicht im Traum daran, mir mein Modell von der FMA zerschlagen zu lassen, sagt Staudinger. Während wir mit der Unterstützung und den Einlagen unserer KundInnen genau das erreicht haben, was unsere Gesellschaft erstrebt (Arbeitsplätze, Energiewende), haben die Banken unter der Aufsicht der FMA Milliarden und Abermilliarden verzockt und versenkt.
Im Februar soll weiterverhandelt werden. Von der Republik Österreich erwartet sich Staudinger einen Schutz vor den Banken und der FMA. Wir arbeiten redlich und fleißig, erzeugen brauchbare, nützliche Produkte und ohne Zweifel wird man diese Fähigkeiten und Eigenschaften auch in Zukunft brauchen können, während wir uns von so manchen Wahnsinnigkeiten der Banken ohne Zweifel verabschieden müssen.
Die Solidarität mit dem Betrieb und seinem Betreiber ist mittlerweile so groß, dass man gespannt sein darf, wie das Match ausgeht. Staudinger: Wir müssen neue Wege finden, denn sonst macht uns die Wirtschaft allen voran die Banken in absehbarer Zeit kaputt. Das Betonieren der alten Strukturen behindert nur den Lernprozess und vergrößert somit den Schaden. Also will ich weiter dafür kämpfen, dass das, was legitim und im Sinne des Wortes NOTwendig ist, auch legal wird.
Infos: GEA-Presseseite
Petition: Schützt die Waldviertler Schuhproduktion unterschreiben:
Die Eigenverwaltung unseres Geldes ist ein Grundrecht – keiner darf uns zwingen, unser Geld nur den Banken zur Verwahrung und Vermehrung bzw. zur Unterstützung der Wirtschaft überantworten zu müssen. Beenden Sie die Verfolgung der Waldviertler Schuhproduktion und ähnlicher Firmen und Gemeinschaften aufgrund ihrer innovativen und zukunftssicheren Finanzierungsmodelle.