KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Bereits 77.700 Millionäre in Österreich

Von KPÖ-Pressedienst (25.6.2008)

„Die globale Umverteilung zugunsten einer kleinen Minderheit bestätigt der jüngste Weltreichtumsbe­richt von Capgemini und Merril Lynch“, stellt KPÖ-Bundessprecherin Melina Klaus fest. Laut dem „World Wealth Report“ ist die Zahl der „High Net Worth Individuals“ mit einem Vermögen von mehr als einer Million Dollar (634.000 Euro) 2007 gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent von 9,5 auf 10,1 Millionen gewachsen.

Um 8,8 Prozent von 95.000 auf 103.000 stieg die Zahl der Ultrareichen mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar. Das Vermögen der MillionärInnen ist 2007 gegenüber dem Vorjahr um 9,5 Prozent von 37,2 auf 40,7 Billionen Dollar gestiegen, was laut Gregor Ersaim (Capgemini) bedeutet, dass die Reichen ihr Geld doppelt so gut veranlagen können wie Normalsterbliche.

Auch in Österreich hat sich die Zahl der Reichen auf 77.700 weiter deutlich vergrößert, 2006 wurden „nur“ 72.600 MillionärIn­nen registriert. Diese winzige Minderheit von nur 0,8 Prozent der Bevölkerung besitzt rund ein Drittel des gesamten Vermögens, weitere neun Prozent ebenfalls ein Drittel, die restlichen 90 Prozent „dürfen“ sich das restliche Drittel teilen. Der österreichische Zuwachs bei den MillionärInnen um sieben Prozent liegt nicht nur über dem Europadurchschnitt von 3,7 Prozent sondern auch dem globalen Zuwachs von 6,1 Prozent und ist laut Privatbank Kathrein-Vorstand Christoph Kraus auf das „kapitalfreundliche Steurrecht“ zurückzuführen.

Bestätigt wird die rapide Zunahme des wirklichen Reichtums auch durch die jüngste Veröffentlichung der reichsten ÖsterreicherInnen im „trend“. Demnach wuchs das geschätzte Vermögen der 50 reichsten ÖsterreicherInnen 2007 gegenüber dem Vorjahr von 91,95 auf 100,89 Milliarden Euro. Beginnend mit der Abschaffung der Vermögenssteuer, Senkung des Spitzensteuer­satzes, Einführung steuerschonender Privatstiftungen, Senkung der Körperschaftsste­uer, Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer und jüngst neuerlichen Steuergeschenken für die Stiftungen wurde Österreich zum EU-Steuerparadies für Kapital und Vermögen. Weil die Vermögenden immer weniger Steuern, muss die Steuerlast zunehmend nur mehr von den Lohnabhängigen getragen werden.

Derzeit liegen in rund 3.200 Privatstif­tungen laut dem Finanzexperten Doralt geschätzte 80 Milliarden Euro, die bei einer vorsichtig mit nur fünf Prozent angenommenen Rendite jährlich mindestens vier Milliarden Ertrag abwerfen, die bis zu zwei Milliarden Einkommensteuer erbringen müssten. Tatsächlich kommen aus den Stiftungen laut Wifo aber pro Jahr gerade mickrige zwölf Millionen Kapitalertrag­ssteuer.

„Die Dringlichkeit der Wiedereinführung einer Vermögenssteuer, der Aufhebung der Privatstiftungen und Besteuerung von Zinserträgen nach der Einkommensteuer anstatt der zugunsten der Reichen nivellierenden Kapitalertrag­ssteuer liegt auf der Hand“, bekräftigt Klaus abschließend die zentrale Forderung der KPÖ nach Umverteilung, denn es ist genug für alle da. Bertolt Brecht brachte die Thematik der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums mit zwei markanten Aussagen auf den Punkt: „Wär` ich nicht arm, wärst du nicht reich“ und „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen eine Gründung einer Bank.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist finanzierbar. Umdenken und politischen Willen vorausgesetzt: