1975 erkämpft, war die Fristenlösung nie unumstritten. Rechte und klerikale Angriffe auf das Recht nehmen aber zu - Widerstand tut also not.Von Bärbel Mende-Danneberg (13.12.2007)
Ähnlich einem Pawlowschen Reflex reagiert der erzkonservative Weihbischof von Salzburg, Andreas Laun, auf die sinkende Geburtenrate in Österreich: Unbedingtes Verbot der Abtreibung.
Der christliche Ruf Seid fruchtbar und mehret euch scheint heute unchristlich in Verruf geraten zu sein. Als dramatische Entwicklung bezeichnet die Gesellschaft für Völkerverständigung, dass inzwischen mehr Muslime als evangelische Christen in Österreich leben würden. Deren Präsident und frühere ÖVP-Abgeordnete, Josef Höchtl, ruft als überzeugter Christ zur Remissionierung Westeuropas auf. Und Salzburgs Weihbischof Laun tischt Aufgewärmtes auf: Dauernd wird über Abtreibung und Verhütung geredet. Das führt zu einem kinderfeindlichen Klima. Deshalb sollten Abtreibungen verboten und Jugendliche besser zur Ehe hingeführt werden (oe24.at, 10.12.07). Das sind bekannte Töne aus dem rechtesten Kircheneck.
Die Bedrohung durch das Fremde ist uns bekannt aus brauner Vergangenheit. Heute sind es die Muslime die für ideologische Schlachtrufe und bevölkerungspolitische Propaganda missbraucht werden. Der Ruf nach bevölkerungspolitischen Maßnahmen von Staatswegen wurde schon immer mit wirtschaftspolitischen Sachzwängen verknüpft und mit rassistischen Argumenten unterlegt. Wenn derzeit wieder einmal beklagt wird, dass wir zu wenig geborene Kinder haben und zu viele alte Menschen unser Pensionssystem gefährden würden, wenn die Furcht vor Überfremdung geschürt und lamentiert wird, dass uns die bezahlte Erwerbsarbeit ausgeht und Jugendliche ohne Jobs dastehen, wird die kurzschlüssigste aller Lösungen propagiert: Frauen, bekommt mehr Kinder. Und zwar artgerechte, denn Kinderreichtum durch Überfremdung wird ja nicht goutiert.
Schwangerschaftsabbrüche sollen, geht es nach Laun & Co., wieder dort hin gebracht werden, wo Kurpfuscher von jeher andere Umstände lebensbedrohend für die Frau abgetrieben und sich reiche Nasen verdient haben. Der angestammte Frauenplatz soll wieder nachhaltig in die Hirne gedrückt werden. Die patriarchalen Vorstöße gedeihen in einem Klima der institutionalisierten Frauenfeindlichkeit.
Es geht darum, das österreichische Fristenlösungsgesetz, das seit 1975 einen Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Monaten straffrei stellt, abzutreiben. Die aggressiven Angriffe von Abtreibungsgegnern und ihr Gebete vor Ambulatorien, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, Pro-Life-Messen und Gebetsparcours zum Schutz des Lebens, der einstige ÖVP-Plan, Kinderlosigkeit mit späterem Pensionsantrittsalter zu bestrafen, das favorisierte Familiensplitting oder das unter Schwarzblau eingeführte Kindergeld das alles sind Botschaften an die weibliche Reservearmee.
Das Recht jeder Frau auf einen gesundheitsschonenden und medizinisch einwandfreien Schwangerschaftsabbruch auf Verlangen wird zunehmend wieder in Frage gestellt. Doch immer mehr Frauen weigern sich, diese erzkonservative Politik über den Bauch hinzunehmen. Frauen, seid furchtbar und wehret euch! Lasst euch nicht von alten Männern vorschreiben, welches Leben ihr zu leben habt!
H i n t e r g r u n d :
Interview in „Österrreich“, 10. Dezember 2007, mit Weihbischof Dr. Andreas Laun:
Muslime überholen zahlenmäßig die Protestanten. In den letzten 35 Jahren hat sich die Zahl der Muslime in Österreich mehr als versiebzehnfacht. Der Islam ist schon die zweitgrößte Religion.
ÖSTERREICH: Die Muslime haben die Evangelischen schon überholt. Warum ist das Ihrer Ansicht nach so?
Andreas Laun: Man darf den Muslimen keinen Vorwurf daraus machen. Es ist unsere Schuld. Die Österreicher müssen sich einfach überlegen, ob sie aussterben wollen oder nicht. Derzeit sind sie offenbar entschlossen, auszusterben.
ÖSTERREICH: Woraus schließen Sie das?
Andreas Laun: Weil die entscheidenden Punkte nicht diskutiert werden: die Fristenlösung und eine bessere finanzielle Förderung für unsere Mütter. Dann gäbe es auch mehr Kinder.
ÖSTERREICH: Die Fristenlösung ist schuld, dass die Österreicher aussterben?
Andreas Laun: Ja, die Abtreibungen sind das Hauptproblem.
ÖSTERREICH: Also sind Sie für ein Verbot von Abtreibungen?
Andreas Laun: Natürlich. Dauernd wird über Abtreibung und Verhütung geredet. Das führt zu einem kinderfeindlichen Klima.
ÖSTERREICH: Was wollen Sie gegen Verhütung tun?
Andreas Laun: Wir müssen bei der Erziehung ansetzen: Junge müssen besser zur Ehe hingeführt werden.