KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Elfriede Jelineks "Rechnitz (Der Würgeengel)"

(18.4.2009)

„Die endlose Unschuldigkeit“ – Elfriede Jelineks „Rechnitz (Der Würgeengel)“:

Eine Veranstaltung des Elfriede-Jelinek-Forschungszentrums der Universität Wien

Elfriede Jelineks Theatertext „Rechnitz (Der Würgeengel)“ wird erstmals in Österreich vorgestellt. Das Stück thematisiert das Massaker an 180 jüdischen Zwangsarbeitern am 24. März 1945 im Rahmen eines nationalsozia­listischen Festes in Rechnitz. Die Veranstaltungsreihe wird am 23. April im Museum Judenplatz eröffnet, darauf folgen am 30. April und 5. Mai Vorträge und Gespräche am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Am 17. Mai ist die Uraufführung in München (2008) Themenschwerpunkt, am 20. Mai findet eine abschließende Diskussion statt.

Bei fünf Abendveranstal­tungen, die vom Jüdischen Totengebet „El male rachamim“ eingerahmt werden, findet in Form von Vorträgen, Videovorführungen, einer Lesung und Diskussionsrunden eine fundierte Auseinandersetzung mit den historischen Hintergründen des Massakers und dessen künstlerischer Verarbeitung in Jelineks Theatertext statt. Organisiert wird die Veranstaltung vom Elfriede-Jelinek-Forschungszentrum der Universität Wien. Es handelt sich dabei um eine Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde, dem Jüdischen Museum Wien, RE.F.U.G.I.U.S (Gedenkinitiative für alle Opfer beim Südostwallbau) und dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

In ihrem Theatertext „Rechnitz (Der Würgeengel)“ bezieht sich Elfriede Jelinek auf die Ermordung von 180 jüdischen Zwangsarbeitern im Rahmen eines nationalsozia­listischen Festes am 24. März 1945 auf dem Rechnitzer Schloss der Gräfin Margit Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza. Das Stück wird – nach seiner Uraufführung an den Münchner Kammerspielen im November 2008 – mit dieser Veranstaltungsreihe erstmals in Österreich vorgestellt.

23. April: Eröffnung

Ausgehend von den Ereignissen des 24. März 1945 stehen bei der Eröffnungsveran­staltung am 23. April im Museum Judenplatz die Themenbereiche „Totengedenken“ und „Zeugenschaft“ im Mittelpunkt. Walter Manoschek, Politikwissen­schaftler der Universität Wien, spricht u.a. über das Judenmassaker.

30. April: Der Film „Totschweigen“ als Jelineks Quelle

Am 30. April wird der Film „Totschweigen“ (1994) von Eduard Erne und Margareta Heinrich am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien präsentiert. Darin werden das „geschwätzige Verschweigen“ des Massakers und die vergebliche Suche nach den jüdischen Massengräbern dokumentiert. Beim anschließenden Gespräch werden Eduard Erne und die Regisseurin Ruth Beckermann anwesend sein.

5. Mai: Stückanalyse und Gespräch

Am 5. Mai werden die Täter in Jelineks Stück analysiert. David R. L. Litchfield, dessen Buch The Thyssen Art Macabre 2007 in deutschen Zeitungen eine heftige Debatte auslöste, wird an einem Gespräch mit Monika Meister, Theaterwissen­schaftlerin der Universität Wien, und dem Journalisten Robert Misik teilnehmen.

17. Mai: Szenische Umsetzung

Die Uraufführung von Jelineks Stück an den Münchner Kammerspielen in der Inszenierung von Jossi Wieler ist Themenschwerpunkt der Veranstaltung am 17. Mai im Museum Judenplatz. In Anwesenheit des Regisseurs wird über die theatralen Möglichkeiten des Textes diskutiert.

20. Mai: Lesung und Abschlussdiskus­sion

Bei der Veranstaltung am 20. Mai im Museum Judenplatz werden unter dem Motto „Die Nachgeborenen“ Möglichkeiten und Grenzen von Geschichtsforschung und Kunst diskutiert. Eingeleitet wird die Diskussion mit einer Lesung von Anne Bennent aus Texten Elfriede Jelineks.

Alle fünf Veranstaltungen beginnen um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.