
Von KPÖ-Wahlkonferenz (24.8.2008)
Die Vielfalt der zur Nationalratswahl antretetenden Parteien und das
Schrumpfen der Stammwählerschaft der großen Parteien sind Anzeichen dafür,
dass die traditionelle österreichische Parteienlandschaft zunehmend instabil
wird. Die beiden Koalitionsparteien geben sich Mühe, die für sie
prognostizierten Stimmenverluste abzuwenden, und überbieten einander nun
gegenseitig mit sozialpolitischen Versprechungen wohl in der Hoffnung, die
österreichischen Wählerinnen und Wähler würden darüber hinwegsehen, dass
sie in der vergangenen Legislaturperiode niemand daran gehindert hat, das, was
sie heute getrennt als Versprechen präsentieren, gemeinsam als
Regierungsparteien auch umzusetzen.
Tatsache ist aber, dass sie nicht einmal die Studiengebühren abgeschafft haben,
und die machen nur einen Bruchteil der Summe aus, die in den aktuellen
Wahlversprechungen steckt. Es lohnt sich, genauer hinzusehen, wenn jene, die
für die zunehmende Armut im Land politisch verantwortlich sind, plötzlich
großzügig Versprechungen machen. Es lohnt sich, weil es bei den kommenden
Wahlen einen Weg gibt, den Druck auf die ehemaligen und wohl auch
zukünftigen Koalitionsparteien zu verstärken, mit dem Ziel, möglichst viel
von ihren sozialpolitischen Versprechungen Wirklichkeit werden zu lassen. Die
KPÖ zu wählen, heißt genau das: Den Herrschenden aus Erfahrung nicht glauben,
aber von ihnen zu fordern, was die Mehrheit der Bevölkerung will; jede Stimme,
die für eine der dominanten Parteien abgegeben wird, ist eine verlorene Stimme,
weil sie die Koalitionäre legitimiert, weiterzumachen wie bisher, und das
schließt ein: Von Wahl zu Wahl sich mit Wahlversprechungen hinüberzuretten.
Eine Stimme für die KPÖ hingegen verstärkt den politischen Druck von links,
ist ein Gewinn für solidarische Politik, für eine andere Politik, die die
Interessen der Mehrheit der Bevölkerung im Auge hat. Denn:
Das tägliche Leben wird immer teurer. Die Realeinkommen, Löhne, Gehälter und
Pensionen stagnieren und sind zunehmend vom Produktivitätswachstum
abgekoppelt. Der wirtschaftliche Aufschwung kommt nicht mehr bei den Menschen
an. Die hohe Inflation und die kalte Progression bei der Lohnsteuer fressen
bescheidene Einkommenszuwächse auf.
Die Preise für viele Güter und Leistungen des täglichen Bedarfs steigen
hingegen immer stärker. Die weltweite Spekulation auf Rohstoffe und
Nahrungsmittel schlägt sich direkt in unseren Geldtaschen nieder. Der
Kapitalismus produziert sagenhaften Reichtum für eine kleine Minderheit und er
produziert Armut, Hunger und Elend für sehr viele.
Die Politik entmachtet sich selbst, indem immer mehr öffentliche Bereiche
privatisiert und dem Diktat des Profits unterworfen werden. Der Druck auf den
öffentlichen Sektor, der wichtig für die Menschen ist, wird durch
Ausgliederung und Privatisierung, Arbeitsplatzvernichtung, Verlust politischer
Gestaltungsmöglichkeiten sowie Tarif- und Gebührenerhöhungen immer
größer.
Der Reichtum einer kleinen Minderheit wächst, die Profite der Konzerne und
die Managergehälter explodieren geradezu. Steuerbetrug und Steuerflucht nehmen
zu. Konzerne und Millionenvermögen werden steuerlich begünstigt. Eine kleine
Oberschicht ignoriert zunehmend alle gesellschaftlichen Regeln. Gleichzeitig
geraten immer mehr Menschen in die Armutsfalle, oft trotz Vollzeitarbeit. Immer
mehr Menschen wissen nicht, wie sie Wohnen, Ernährung und das tägliche Leben
finanzieren sollen. Die Hauptbetroffenen sind Prekarisierte, Frauen,
Alleinerziehende, kinderreiche Familien, MigrantInnen und PensionistInnen.
Der gesellschaftliche Interessenausgleich ist verlorengegangen. Immer mehr
Menschen sind vom sozialen Abstieg bedroht. Leistung und eine gute Bildung
schützen weniger denn je mehr vor dem Verlust von Arbeitsplatz und Wohnung. Wer
nach unten fällt bleibt auch dort. Wer arm ist stirbt früher. Die Behauptung,
der Wettbewerb am freien Markt würde alles regeln wird vom realen Kapitalismus
tagtäglich widerlegt. Die Politik schaut tatenlos zu. Gab früher der Begriff
Reform Hoffnung, so ist er heute zur gefährlichen Drohung verkommen.
Eine Mehrheit der Menschen sieht sich heute im Parlament nicht mehr
vertreten. Eine Mehrheit im Parlament entscheidet regelmäßig gegen die
Mehrheit der Bevölkerung, welcher zudem die Mitsprache in grundlegenden Fragen
wie dem EU-Vertrag verweigert wird. Dabei ist die EU nicht die Alternative zur
neoliberalen Globalisierung, sondern ein wesentlicher Teil derselben.
Die ÖGB-Führung betätigt sich als sozialpartnerschaftlicher Dienstleister,
statt einen lautstarken und spürbaren Protest gegen die unsoziale Entwicklung
zu organisieren. Ein massiver Vertrauensverlust in die gesamte wirtschaftliche
und politische Ordnung ist die Folge.
Immer mehr Menschen wenden sich mit Abscheu von der Politik ab, sie gehen nicht
mehr wählen. Das ändert freilich nichts an der Misere. Wir wollen hingegen
Resignation und Mutlosigkeit überwinden. Die Politik ist gefordert: Es gilt,
die Wirtschaft zu steuern. Politische Eingriffe und gesetzliche Regulierungen
sind notwendig.
Eine Umverteilung wird immer dringender. Denn: Es ist genug für alle da! Und
eine solche Umverteilung ist auch zu finanzieren: Durch eine entsprechende
Besteuerung von Kapital und Vermögen. Durch eine Vermögenssteuer. Durch eine
Wertschöpfungsabgabe. Durch die Abschaffung der steuerschonenden
Privatstiftungen.
Die KPÖ will: Teuerungsausgleich bei Löhnen, Gehältern und Pensionen. Ein gesetzlicher Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde. Armutsfeste Mindestpensionen und Mindestsicherungen. Abschaffung der Regresspflicht. Amtliche Preisregelungen für Treibstoff, Energie und Grundnahrungsmittel. Mietzinsstopp und Abschaffung der Richtwertzuschläge. Valorisierung von Sozialleistungen wie Pflegegeld, Familienbeihilfe und Stipendien. Entlastung der mittleren Einkommen bei der Lohnsteuer, höhere Negativsteuer für Kleinsteinkommen. Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Mieten, Tarife und Medikamente. Stopp für Tarif- und Gebührenerhöhungen. Eine Energiegrundsicherung. Kostenloser Zugang zum Gesundheitswesen für alle. Abschaffung der Studiengebühren. Freie Fahrt auf öffentlichen Verkehrsmitteln. Gratiskindereinrichtungen. Erhaltung und Ausbau des öffentlichen Sektors.
Die Politik muss so unsere Überzeugung – etwas für die Menschen tun,
sie darf sich nicht mit sich selbst beschäftigen. Vor allem ist die Mitsprache
der Menschen notwendig.
Es gilt die Rolle des Staates neu zu bestimmen. Dieser muss für die Mehrheit
der Menschen handeln, nicht für eine kleine Minderheit. Es gilt,
grundsätzliche die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Reichtum
sicherzustellen. Es gilt gleiche Rechte für alle Menschen in diesem Land
durchzusetzen. Es gilt die Benachteiligung von Frauen zu beseitigen. Es gilt der
Ausgrenzung von MigrantInnen entschieden entgegenzutreten. Es gilt Solidarität
wieder zu erkämpfen und mit Leben zu erfüllen.
Die KPÖ versucht in Betriebs- und Gemeinderäten, in Arbeiterkammern und im
steirischen Landtag, in Vereinen, Bürgerinitiativen und Bündnissen die
Interessen der Lohnabhängigen, Prekarisierten, Erwerbslosen und PensionistInnen
zu vertreten und Alternativen aufzuzeigen. Die MandatarInnen der KPÖ verwenden
einen großen Teil ihres Politeinkommens für soziale Zwecke.
Die KPÖ sieht sich als Partei für das tägliche Leben der Menschen und für
soziale Gerechtigkeit. Wir können unsere Vorhaben aber nur dann verwirklichen,
wenn uns möglichst viele Menschen dabei unterstützen und selbst aktiv werden.
Wir wollen den Menschen bei dieser Wahl die Möglichkeit geben sich über den
Stimmzettel für soziale Gerechtigkeit, für Umverteilung, für eine andere
Politik auszusprechen. Wir wollen ein Gegengewicht zur herrschenden Politik
sein.
Die Haltung der KPÖ zu den verschiedenen Detailfragen haben wir in unserem Forderungsprogramm formuliert, das wir bei Interesse gerne
zur Verfügung stellen.
Beschluss der KPÖ-Wahlkonferenz am 23.8.2008