KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Richard Zach, 1919 - 1943

Bilder: Kulturvermittlung

(16.1.2008)

Gerhard Balluch liest Gedichte, Briefe, Kassibertexte – Donnerstag, 17. Jänner 2008, 19.30 Uhr, Bildungszentrum der KPÖ im Volkshaus Graz, Lagergasse 98a (Eintritt frei)

Richard Zach

Musikalische Begleitung: Josef Fürpaß und Sorjana Lysak ausgewählt und eingeleitet von Gerhard Dienes

Texte aus der Todeszelle

Richard Zach, Lehrer, Dichter, Kommunist aus Graz, wird – noch nicht 24jährig – in Berlin-Brandenburg hingerichtet. In den eineinviertel Jahren seiner Haft in Graz und Berlin-Moabit schreibt der Eingekerkerte im Schatten von Einsamkeit, Hunger, Gefängnisarbeit, Verhören und Mißhandlungen wie in einem Schaffensfieber mehrere hunderte Gedichte. Auf vielfältige Weise spricht daraus einer, der so gern lebte, aus der Einzelzelle, vor allem zu jenen Menschen, denen er sich bis zu seinem Tod verbunden fühlt.

Während rund 600 seiner lyrischen Versuche und Skizzen in Berlin-Moabit mit „Schreiberlaubnis“ verfaßt werden können und überwiegend „unpolitisch“ anmuten, entstehen in Graz und in Berlin-Moabit etwa 200 Gedichte auf insgesamt 80 überlieferten Kassibern: Die Texte werden durch die Wand in die Nebenzelle gemorst oder selbst verstohlen niedergeschrieben; kleine und kleinste Zettel werden in die Bünde von Kleidungsstücken eingenäht, Besuchern per Handschlag weitergegeben oder auf andere Art nach draußen geschmuggelt.

Die Haftzeit Richard Zachs vom 31. 10. 1941 bis 27. 1. 1943 bildet den Hintergrund für die Präsentation von Zeugnissen eines in Österreich schwerster Zeit aufrechten Menschen und Grazer Dichters.

Ich bin den andern Weg gegangen

Was soll ich um mein Leben rechten?

Ich hab gewagt, hab nicht gefragt,

ob`s gut ist, wenn man alles wagt,

und ob die Taten Zinsen brächten!

Bequemer wäre es gewesen,

den Kopf zu senken, klug zu lächeln,

die Knie verrenken, Demut fächeln

und kein verbotenes Buch zu lesen.

Die Möglichkeit stand häufig offen,

sich wirklich gut und weich zu betten,

den eigenen schönen Kopf zu retten

und auf Beförderung zu hoffen.

Ich bin den anderen Weg gegangen.

Verzeiht – es tut mir gar nicht leid,

obwohl es elend steht zur Zeit.

Wird keiner um sein Leben bangen,

der weiß, wozu er es verwendet,

bedachte, was sein Glaube wiegt.

Er hat am Ende doch gesiegt,

und wenn er auf der Richtstatt endet!

Die Jahre vorher und die Tage –

nicht ihre Zahl, nur ihr Gehalt –

läßt trotzen jeglicher Gewalt,

gewährt uns Kraft in schwerster Lage!

Es leben manche hundert Jahre,

das heißt, sie schlängeln sich dahin.

Gegönnt sei ihnen ihr Gewinn

und eine schöne Totenbahre.

Ich habe heute viel verloren,

wer weiß, verliere noch den Kopf.

Doch tauscht ich nicht mit solchem Tropf,

und würd ich noch einmal geboren!

Ich ahnte, wie die Feinde seien,

erhoffte nie ein leichtes Spiel.

Doch was ich will, ist viel zu viel!

Was soll ich um mein Leben schreien?

Richard Zach

Gerhard Balluch

geboren in Wien, Studium der Theaterwissenschaft und der Germanistik,

Schauspielausbil­dung. Er hatte Engagements am Burgtheater, Stadttheater Klagenfurt, Landestheater Salzburg und ist seit 1972 Ensemble­mitglied des Grazer Schauspielhauses. Er unterrichtet an der Grazer Universität Sprecherziehung und Stimmschulung und ist als Darsteller bei Film und Fernsehen tätig.

Gerhard Dienes

geboren 1953 in Graz, Studium an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Seit 1980 Historiker am Stadtmuseum Graz, danach dessen Direktor. Seit 2005 in der Direktion des Joanneums tätig. Ca. 100 Publikationen u. a. zur Stadt-, Industrie- und Verkehrsgeschichte. Dr. Gerhard Dienes ist Träger des Wissenschaftspre­ises der Stadt Graz.