KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Mauthausen-Überlebender Hans Maršálek gestorben

Hans Maršálek bei der Befreiungsfeier in Mauthausen 2001 (Foto: AntifaNetzwerkOÖ)

(16.12.2011)

Einer der letzten und prominentesten Zeitzeugen der Gräuel im Konzentrationslager Mauthausen, Hofrat Dr. Hans Maršálek, ist in der Nacht von 8. auf 9. Dezember 2011 in Wien verstorben. Mit ihm verliert Österreich einen unermüdlichen Aufklärer und Mahner vor Totalitarismus und Inhumanität. Maršálek hat sich unschätzbare Verdienste um den Aufbau der KZ-Gedenkstätte Mauthausen erworben. Als Bindeglied zwischen der Lagergemeinschaft und dem Bundesministerium für Inneres war Maršálek die treibende Kraft zur Entwicklung und Neugestaltung dieses wichtigen Erinnerungsortes.

Er war nicht nur Überlebender und Chronist des KZ-Mauthausen, sondern auch der Gründer des Museums und des Archivs der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Er legte den Grundstein für die heutige Arbeit und die neuen Entwicklungen an der KZ-Gedenkstätte. Mit seiner Publikation zur Geschichte des Lagers Mauthausen, dei 1974 erstmals erschien, schuf er das Standardwerk – es ist bis heute das wichtigste Buch zum Thema Mauthausen.

Hans Maršálek wurde am 19. Juli 1914 in Wien als Kind tschechischer Eltern geboren. 1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs und seiner Einberufung zur Deutschen Wehrmacht, flüchtete er nach Prag. Er wurde 1941 aufgrund illegaler politischer Tätigkeiten im kommunistischen Widerstand von der Gestapo verhaftet und am 28. September 1942 in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Ab Mai 1944 wurde er als zweiter Lagerschreiber eingesetzt. In seiner Funktion konnte er seinen Mithäftlingen helfen, indem er kranke und schwache Häftlinge anderen Kommandos zuteilte und sich aktiv am Widerstand innerhalb des Lagers beteiligte.

Nach der Befreiung im Mai 1945 kam Hans Maršálek nach Wien zurück, trat in den Polizeidienst ein und wurde im Jahr 1963 vom Bundesministerium für Inneres damit betraut, in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen ein Museum einzurichten. Er war Vorstandsmitglied der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen, deren Nachfolgeorga­nisation das Mauthausen-Komitee Österreich ist, und Mitglied des Comité International de Mauthausen. Außerdem war er Ehrenvorsitzender des KZ-Verbandes, in dem er seit 1945 aktiv mitarbeitete. Bis vor wenigen Jahren sprach er an der jährlichen Kundgebung am 1. November beim Mahnmal der Republik und beim Ehrenmal der Gruppe 40 der von den Nazi hingerichteten Widerstandskämpfe­rInnen und prangerte scharf die Untätigkeit der Behörden gegenüber neonazistischen Umtrieben an.

Im Februar 2009 nahm Hans Maršálek auch an einer Ehrung der KPÖ für die noch lebenden Widerstandskämpfer te­il.

Am 24. November 2009 wurde Hofrat Hans Maršálek in Anerkennung seiner herausragenden Verdienste um die KZ-Gedenkstätte Mauthausen, um die wissenschaftliche und publizistische Aufarbeitung der Geschichte der Konzentrationslager Mauthausen und Gusen sowie für seinen Widerstand gegen das NS-Regime der Ehrendoktor der Sozial- und Wirtschaftswis­senschaften der Johannes-Kepler-Universität Linz verliehen.

Die Antifaschistische Öffentlichkeit und die KPÖ trauern um diesen Kämpfer wider das Vergessen, das Verniedlichen und Verdrängen der Verbrechen des Faschismus in Österreich.