Getrennt untergehen, aber gemeinsam gewinnen
Von Walter Baier (11.4.2011)
Das Ausblenden der wichtigen Seiten der Politik in den Massenmedien ist ein
zentrales Herrschaftsinstrument. Systematisch verschwiegen wird hierzulande,
dass in den vergangenen Monaten Millionen Menschen gegen die Sparprogramme der
Regierungen und der EU protestiert haben. Allein Griechenland erlebte eine Serie
von sechs Generalstreiks. Breite allgemeine Streikbewegungen erfassten
Frankreich, Spanien und Portugal. Für 6. Mai ruft die größte italienische
Gewerkschaft CGIL zu einem neuerlichen Generalstreik auf. Am 12. März füllten
hunderttausende, vorwiegend junge Menschen die Straßen Lissabons und OPortos,
um gegen Arbeitslosigkeit und Prekarität zu protestieren. Am 26. März erlebte
London eine der größten Straßendemonstrationen in der Geschichte
Großbritanniens, zu der Gewerkschaften und VertreterInnen der Studierenden
aufgerufen hatten.
Trotz des demokratischen Willens, der sich in diesen Massenaktionen
ausspricht, scheinen die Regierungen keinen Zentimeter von ihrer europaweit
abgestimmten Raubpolitik abzurücken. Es ist daher höchste Zeit, Strategien zu
entwickeln, um statt getrennt unterzugehen, geeint zu gewinnen. Dabei wird eines
immer deutlicher: Europäische Probleme erfordern europäische Lösungen. Auf
einer im März von der Europäischen Linken, dem Netzwerk transform! und der
griechischen Partei Synaspismos in Athen gemeinsam vorbereiteten Konferenz
gelang es, Umrisse eines europäischen Aktionsprogramms der Linken zu
erarbeiten.
- Widerstand gegen die neoliberale Offensive, den Sozialabbau und die
Privatisierungen in möglichst vielen Ländern;
- Die Einführung einer Steuer auf finanzielle Transaktionen;
- Beendigung der Privatisierung öffentlichen Eigentums und
öffentlicher Güter;
- Eine öffentliche, transparente und demokratische Überprüfung der
Staatsschulden im Hinblick auf ihren tatsächlichen Umfang und ihre Konditionen
sowie auf die Umstände, die zu ihrer Aufnahme geführt haben. Erst eine solche
Überprüfung kann zeigen, welcher Teil der Schulden anzuerkennen ist, und
welcher von betrügerischen Spekulationen herrührt.
- Eine europäische Neuverhandlung der öffentlichen Schulden, einschließlich
der Streichung eines beträchtlichen Teils von ihnen und der Verbesserung der
Rückzahlungsbedingungen.
- Direkte und niedrig verzinste Kredite der europäischen Zentralbank an die
Staaten und die Ausgabe von europäischen Anleihen, die einem produktiven
Wiederaufbau und nicht der Spekulation dienen;
- Aufbau eines Bankensystems, das den gesellschaftlichen Bedürfnissen dient
und Sozialisierung des Finanzsystems;
- Regulierung der internen Privatverschuldung insbesondere der überschuldeten
Haushalte;
- Ein neues europäisches Entwicklungsmodell, das die Umverteilung von Mitteln
in Richtung nachhaltige Investitionen, Vollbeschäftigung und Umweltschutz zur
Voraussetzung hat;
- Ein tatsächliches Europäisches Budget, das auf einen Ausgleich zwischen
den stärkeren und schwächeren Ökonomien in Europa zielt;
- Und last not least: Die Verteidigung der Demokratie zu Zeiten der
ökonomischen und sozialen Krise.
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