KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Obdachlose Nobelbauern …

Von Josef Stingl (20.11.2007)

… Fiona und Karl-Heinz kontra ÖsterARM – Vor einigen Tagen erreichte mich ein Mail eines Finanzbeamten. Er meinte, dass es rührend sei, wie sich einige Medien darüber Sorgen machen, dass dem KHG und seiner millionenschweren Fiona sein gemietetes Bauernhaus im Raum Kitzbühel abhanden komme und den gleichen Blättern egal sei, dass im hochpreisigen Kitzbühel ArbeiterInnen das Geld für die Mieten nicht mehr aufbringen können und somit von der Obdachlosigkeit bedroht seien. Außerdem kritisierte er die Arbeits- und Wohnbedingungen für die Beschäftigten in Kitzbühels Nobelherbergen: „In welchen finsteren Rumpelkammern Personal untergebracht ist, weil jeder helle Raum dem zahlungskräftigen Publikum angeboten wird.“

Recht hat er, Leben und Arbeiten ist hart in Tirol. Kitzbühel und Innsbruck gelten neben Salzburg und Wien zu den teuersten Wohngebieten. Wohnflächen im restlichen Tirol liegen nur knapp darunter. Dafür liegt Tirol knapp vor dem Burgenland beim Einkommen am vorletzten Platz. Wenn wundert´s da, das Armut steigt, vor allem working poor, also Armut trotz Arbeitsplatz. Traurige Wahrheit, aber wer glaubt das sei ein Tiroler Schicksal, der irrt. Wohnen wird in ganz Österreich immer teurer. Armut steigt in allen Bundesländern und um die Arbeitsbedingungen ist es in allen Bundesländern nicht rosig gestellt.

Die Weltgesundheit­sorganisation (WHO) bezeichnet Gesundheit als vollständiges körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden. Das soziale Wohlbefinden ist schon lange gestört: Denn wer kann sich schon sozial wohl befinden, wenn die Miete ins Unermessliche steigt, Arbeitslosigkeit keine Ausnahmeerscheinung mehr ist, wenn sich mensch durch fehlende Sozial- und Existenzparameter in Überschuldung stürzen müssen. Das geistige Wohlbefinden – um das steht es nicht besser. Wer kann sich schon geistig wohl fühlen, wenn mensch in diesem sozialen Unfrieden lebt, mit Stress und Leistungsdruck am Arbeitsplatz konfrontiert ist – und bereits jeder Vierte der Berufstätigen leidet unter Stress und innerer Erschöpfung.

Bleibt das körperliche Wohlbefinden, auch darum ist es nicht gut gestellt. Hauptursache ist der Arbeitsplatz – die Hälfte aller Krankheiten sind auf ungesunde Faktoren der Arbeitswelt zurückzuführen. Nicht zu vergessen, jeder weiß, wer sich sozial und geistig nicht wohl fühlt, wird das auch bald physisch spüren.

Gegenwirken kann mensch durch Umverteilung – bei der Steuer mit einkommens- und wertschöpfungso­rientierten Abgaben statt Massenbesteuerung, bei den Löhnen und Gehältern mit Mindestlohn und KV-Erhöhungen, welche die stark steigende Produktivität abgelten und bei der Arbeitszeit mit radikaler Arbeitszeitver­kürzung ohne Lohnverluste.

Ich gebe den eingangs erwähnten Finanzbeamten recht, wenn er meint, „wenn nun KHG sein Domizil verliert, könnte er ja beim nächsten Hahnenkammrennen in einem Personalzimmer eines Nobelhotels nächtigen, um sich selbst ein Bild von den Arbeitsbedingungen des Hotelpersonals zu machen.“ Auch Gusenbauer, Molterer, Cap, Bartenstein und Co würde es nicht schaden, wenn sie unter Bedingungen „Normalsterblicher“ leben müssten, sie würden dann vielleicht verstehen, wo unsereins der Schuh drückt. Ihre auf www.parlament.gv.at (unzufriedenste­llend) veröffentlichten Veröffentlichung Einkommen, Nebeneinkommen und Neben-Nebeneinkommen zeigen nämlich ein anderes Bild.

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