
Von Franz Fend (23.11.2007)
Neben dem Ungemach, das uns die heimische Politik täglich bereitet hat, ist
diese Woche eine weitere Plage von fast biblischem Ausmaß über das Land
gekommen. Die Königshäuser von halb Europa haben uns heimgesucht, und die
virulenten Medien haben dafür gesorgt, dass uns kein noch so kleiner royaler
Furz entgangen ist. Wir wissen daher, dass Präsident Fischer vor dem
Franco-Nachfolger Juan Carlos den Kotau gemacht hat. Wir sahen, dass die halbe
schwedische Delegation unter Königin Silvia und ihrem Gatten Carl Gustaf den
Besuch im Parlament verschlafen hatten, was verwundert, weil vermutlich die
Aristokraten, wenn sie mit dem Parlamentarismus in Kontakt kommen, von
kolikartigen Krämpfen erfasst werden. Wir erfuhren, dass der Sozialdemokrat
Niessl wie auch Carl Gustaf lieber Graugänse beobachten als Kammermusik
lauschen. Und wir erlebten, dass Silvia nur dann eine Krone trug, wenn es das
Protokoll erforderte, ansonsten stets dezent und zurückhaltend gestylt sei.
Und wir durften diese Woche erfahren, dass Seine Kaiserliche und Königliche
Hoheit Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix
Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius, Kaiserlicher Prinz, Erzherzog von
Österreich, Königlicher Prinz von Ungarn, also Otto Habsburg, auch schon
95 Jahre auf dem Buckel hat und einige ÖVP-Politiker dem Kaiser-Spross, die
Besitztümer der Habsburger zurückerstatten möchten, ja sogar die
Habsburger-Gesetze rückgängig machen wollen. Fast allen Medien, das war auch
eine der Lehren dieser Woche, reden Habsburg immer noch mit von und Eure
Hoheit an, wie auch das gesamte öffentliche Leben an Bücklingshaltung nicht
zu übertreffen war.
Es wundert daher nicht, dass manche Zeitgenossen die Maßnahmen, die in
Frankreich 1789 ff ergriffen wurden, sich für ganz Europa wünschten. Was aber
auch nichts bewirkte, weil man Medien nicht guillotinieren kann, und diese
degoutante Jauche erneut sich über uns ergösse.