Erwachsene junge Männer sitzen hinter Schulbänken in einem einfachen Raum. Schulmaterial gibt es keines auf den Tischen keines.Von Manred Bauer (22.4.2008)
Im Jahr 1995 hatte die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) auf Antrag Spaniens den 23. April zum Welttag des Buches sowie des Urheberrechts erklärt.
Seinen Ursprung hat der Feiertag für das Buch in einer katalanischen Tradition: Zum Namenstag des Volksheiligen Sant Jordi (Sankt Georg) schenkten die Menschen einander Rosen, seit 1920 werden auf Initiative der Büchergilde von Barcelona zusätzlich zu den Rosen auch Bücher verschenkt.
Die UNO-Organisation beabsichtigte mit der Proklamation des Welttages des Buches sowie des Copyrights, einen maßgeblichen Beitrag zur globalen Leseförderung zu leisten, vor allem jedoch ihr Konzept einer universellen Bildung als Basis für nachhaltige Entwicklung weltweit in die nationalen Bildungssysteme einzuprogrammieren.
Sie folgte damit den Empfehlungen der UNESCO-Weltkulturkonferenz Mondiacult des Jahres 1982, die in Mexiko stattfand, und die unter anderem die Ablöse des elitären, kleinbürgerlich konnotierten Kulturbegriffs festschrieb. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern wollte und will die UNO Kultur und Bildung für alle als eine der Voraussetzung für eine nachhaltige soziale und kulturelle Entwicklung festschreiben.
Ein Blick auf die objektiven globalen Verhältnisse zeigt indes, dass die Initiativen und Projekte der UNESCO, so bemüht und unterstützenswert sie auch sein mögen, bis dato nicht annähernd die beabsichtigten Effekte zeitigen konnten: Der hegemoniale Anspruch eines westlich dominierten, an Kommerz und bürgerlich-elitären Wertmaßstäben orientierten Kulturbegriffs wurde längst in diese Länder exportiert, wo er postkoloniale Produktions- und Reproduktionskraft entfaltet, internationaler Kultur- und Wissenschaftsaustausch fungiert nach wie vor unter der Prämisse der Diskriminierung von Entwicklungsländern und bei der profitablen Verwertung von Patenten und Urherberrechten dominiert sowieso globale Profitlogik.
Freilich gelang es, einige kleine Fortschritte zu erzielen: So ist etwa die Zahl der Analphabeten in den letzen 15 Jahren von knapp einer Milliarde Menschen auf knapp 800 Millionen Menschen zurückgegangen. Diese Reduktion ist laut UNESCO vor allem auf Fortschritte in China zurückzuführen, wo ein signifikanter Rückgang um etwa 100 Millionen zu verbuchen ist.
Doch nach wie vor zählen Lesen und Schreiben in sehr vielen Ländern dieser Welt zu den Bildungsprivilegien der Eliten, sind in der kapitalistischen Weltgesellschaft Bildungs- und Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen unverändert an die soziale Herkunft gebunden. Somit bleibt das Menschenrecht auf Bildung für alle so lange ein Lippenbekenntnis, so lange eine Gesellschaft existiert, in der die kapitalen Interessen Weniger die vitalen Bedürfnisse Vieler dominieren.
Der Welttag des Buches ist zumindest eine gute Gelegenheit, sich diese Verhältnisse wieder auf den persönlichen Radarschirm zu holen.