KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Arroganz der Aufsteiger

Von Leo Furtlehner (24.5.2008)

Dass die legendäre Sandkiste in Ybbs, aus welcher Alfred Gusenbauer dereinst angeblich seinen Kanzleranspruch verkündete, als Touristenattraktion unter Denkmalschutz gestellt wurde ist nur ein Gerücht. Dass Gusenbauer erklärte „Aber jetzt will ich bis zur Pension Bundeskanzler bleiben“ stand hingegen schwarz auf weiß im April in „Österreich“.

Mit lockeren Sprüchen ist der Kanzler ein gefundenes Fressen für die Medien, zumal er kein Fettnäpfchen auslässt. Sollte der Kanzler BeraterInnen haben, die diesen Namen auch verdienen, hält er sich nicht an ihre Ratschläge, seine Worte und Taten sind spontan und originär. Das Faible Gusenbauers für fragwürdige Aktionen ist legendär: Hartnäckig wird ihm vorgehalten dereinst sowjetischen Boden geküsst zu haben. Und auch sein Spargel-Essen mit FPÖ-Chef Jörg Haider ist nicht vergessen. Aber so richtig in Hochform aufgelaufen ist er erst mit dem Kanzlerbonus.

Ohne Genierer paradierte er mit Krone- und Iglo-Logo am Anorak beim Sautreiben der Promis in Kitzbühel, düste mit Blaulicht-Begleitung am Höhepunkt der Regierungskrise zum Ski-Trip nach Sankt Anton, ließ sich in Schladming sogar auspfeifen und promenierte beim Opernball mit den oberen fünftausend. Dabei hätte ihm die demonstrative Absenz von solchen Events locker einige zigtausend WählerInnenstimmen bringen können…

Nicht genug damit setzte Gusenbauer mit seiner Upgrading-Affäre beim Vietnam-Urlaub, mit seinem iPhone-Auftritt und als Laudator eines Gourmet-Führers (wo ihn Sozialminister Buchinger vertreten durfte) noch eins drauf. Da darf seine Lebensgefährtin mit einigen Medien-Sagern über ihre modischen Vorlieben natürlich nicht zurückstehen.

Der Gesudere-Sager des Parteichefs brachte die SPÖ-Basis zur Weißglut, schon bei der Regierungsbildung hatte er dem steirischen SP-Chef Voves live seine Art von Kommunikation demonstriert. Die argentinische Witzelei über „Senatoren die nach 16 Uhr nichts mehr arbeiten“ brachte frühere Äußerungen über ein Drittel „nicht resozialisierbare SPÖ-Abgeordnete“ in Erinnerung und sogar Parlamentspräsi­dentin Prammer in Rage. Gusenbauers geniales Modell des Nachhilfeunte­rrichts zum Abarbeiten der Studiengebühr ist mittlerweile in der Versenkung verschwunden.

Was dem Bourgeois Grasser hoch angerechnet wird – Fiona, Meinl oder Homepage – gesteht der bürgerliche Medienbetrieb freilich dem Arbeitersohn Gusenbauer nicht zu. Er demonstriert die Selbstgefälligkeit und Arroganz jener Aufsteiger, die in ihrem Drang nach oben kein Gefühl für die einfachen Menschen mehr haben. Mit solchen Sagern und Aktionen wird das Image der ohnehin schon massiv diskreditierten Politik weiter verschlechtert, Inhalte den Show-Effekten geopfert, der Boden für autoritäre Tendenzen aufbereitet. Das Bewusstsein dafür fehlt allerdings dem Kanzler und seiner Partei.

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