KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Briefe von der Mafia

Von - (23.5.2008)

Ein Im Fokus-Kommentar von Roman Gutsch

„Ihre allerletzte Chance!“ – „Sie haben unsere gutgemeinten Ratschläge nicht beachtet. Jetzt wird nur noch auf den Ablauf dieser letzten Frist gewartet.“ – „Reagieren Sie in ihrem eigenen Interesse rasch.“

Drohbriefe mit Sätzen, wie den soeben zitierten, versendet der EOS ÖID Inkasso-Dienst, ein gewerblicher Geldeintreiber aus Wien Margareten, vermutlich täglich. Es gibt ja auch genügend, mehrere hunderttausend Personen in Österreich, die in ernsthaften Zahlungsschwi­erigkeiten sind, und genügend Unternehmen, die Inkassobüros in Anspruch nehmen.

Angesichts den 100.000 überschul­deten Haushalten, die es bundesweit gibt, können die Inkassobüros nicht über eine Auftragsflaute klagen. Vielmehr können sie munter, am laufenden Band mit einer respektlosen Wortwahl Klagen androhen.

Mit Erfolg. Der Inkassoverband ist mit der Erfolgsquote beim Eintreiben der Schulden zufrieden. Rüde Methoden der Verbandsmitglieder tragen zum Erfolg bei und letztlich zählt der Erfolg, auch wenn er vielfach nur in dem moralischem Verbrechen besteht, arme, total überschuldete Menschen so sehr einzuschüchtern, dass sie, obwohl sie ohnehin bereits am Existenzminimum leben, einen Teil ihrer Schulden begleichen.

In Deutschland, wo es seit längerem üblich ist, dass Banken, die Kredite, die sie selbst fahrlässig zu katastrophalen Bedingungen vergeben haben und die folglich von den SchuldnerInnen nicht mehr bedient werden können, an Inkassobüros verkaufen, ist die Inkassobranche noch deutlich brutaler als in Österreich.

Aus einem Werbetext einer Firma, die sich Russen-Inkasso nennt, und der sich an GroßkundInnen richtet: „Das zentrale Wort ist natürlich „Russen“. Damit ist im Schuldnerhirn sofort klar, dass es sich um eine russisch geführte Inkassofirma mit den entsprechende rüden Eintreibungsmet­hoden handelt.“

Für den gezielten Einschüchterun­gsterror werden Eskalationsstufen genannt: der „falsche russische Hase“ (ein deftiges Mahnschreiben), die „Liebesgrüße aus Moskau“ (ein mit noch mehr Warnungen beschicktes Mahnschreiben, das in Moskau aufgegeben wird), der „russische Bär“ (Schlägertypen, die unvermittelt auftauchen). Wie so ein „russischer Bär“ mit Anstellung in einem Inkassobüro auszusehen hat, beschreibt das Unternehmen auch: Es handelt sich um „unverwechselbare, echte Fachleute, gestandene Russen die allein durch Aussehen, Auftreten und dem entsprechenden, gebrochen deutsch-russischen Akzent dafür sorgen, dass auch dem hartgesottendsten Schuldner das Herz in die Hose rutscht.“

Vor dem Hintergrund, dass nun auch die Bank Austria in Österreich begonnen hat, Forderungen, die als uneinbringbar anzusehen sind, an Inkassobüros zu verkaufen, ist es nur eine Frage der Zeit, wann andere Bankinstitute nachziehen und ein neuer, brutaler Markt für eine legale Inkassomafia eröffnet wird. Wertlose Forderungen kauft ja nur eine unseriöse Firma mit der Erwartung an, durch erpresserischen Druck auf Menschen, denen es finanziell wirklich dreckig geht, Rendite erzielen zu können.

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