KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

China-Kelch: Eine Frage der Unterhaltung

Von Hans Gmundner (12.4.2008)

Dieser Tage ist wieder einmal ausreichend Gelegenheit, die Funktionsweise bürgerlicher Medienkampagnen zu studieren. Ein Musterbeispiel dafür ist die Aufbereitung der Olympischen Spiele in Peking als Gelegenheit, der Volksrepublik China am Zeug zu flicken. Es ist schwer vorzustellen, dass die Proteste in Tibet gegen die chinesische Vorherrschaft nicht organisiert waren, um als Auftakt für die Aktionen zu dienen, die das Olympische Feuer auf dem Weg nach Peking begleiten.

Eine geglückte Regie sorgte in dem Fall dafür, dass die Medien sich selbst und ihren KonsumentInnen erstens nachdrücklich in Erinnerung rufen konnten, dass in Tibet eine feudale Mönchsdiktatur durch ein autoritäres Modernisierun­gsregime abgelöst wurde, und damit zweitens Verständnis dafür geschaffen werden konnte, dass friedliche Läuferinnen und Läufer mit der Olympiafackel in der Hand wütenden Angriffen von vermeintlich ihrer Heimat beraubten Demonstranten ausgesetzt waren.

So selbstverständlich gewalttätige Übergriffe im Zeitalter des Terrorismus normalerweise angeprangert werden, so verständnisvoll reagiert die Weltpresse bei diesen Anlässen, weil man aus einem altem Beißreflex heraus dem „Kommunismus“ am Zeug flicken will. Die Weltöffentlichkeit steht vor dem seltsamen Phänomen, dass das Land der Mitte im Nu zu einer wirtschaftlichen Weltmacht geworden ist. Würde Peking seine Dollar-Reserven schlagartig fällig stellen, gingen die Vereinigten Staaten und mit ihnen die Weltwirtschaft flöten.

In dieser prekären Lage bleibt lediglich die Moral, die bekanntlich nach dem „Fressen“ kommt, als Angriffspunkt. Die individuellen Menschenrechte dienen dem Westen als Fetisch, um China die Einschränkung der persönlichen Freiheitsrechte um die Ohren zu knallen. Unter den Tisch fällt, dass die viel gerühmten westlichen Demokratien weit davon entfernt sind, die sozialen Menschenrechte zu garantieren – geschweige denn den Hunger auf der Welt, ein unerträglicher Dauerskandal, zu bekämpfen.

Warum die Medien sich auf derartige Spielchen einlassen? – Weil sei wenig bis gar nicht auf Informationsver­mittlung eingestellt, sondern Rahmen ihrer Unterhaltungsfun­ktion vor allem für die Produktion von Nervenkitzel zuständig sind.

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