
Von Wolf-Goetz Jurjans (14.9.2008)
Wegen des Kanzler-Duells geht kleinen Parteien jetzt die Luft aus,
erklärt Lügenonkel Dichand seinen drei Millionen Schäfchen.
Dass Kleinstparteien durch die harten Auseinandersetzungen etablierter
politischer Parteien an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt werden, hat
mit dem von Politforschern als Fallbeil-Effekt bezeichnetem Phänomen zu tun. Dieser
Effekt besteht darin, dass die Wähler kleinen Parteien ihre Gunst wieder
entziehen, weil man damit rechnen muss, dass diese Parteien scheitern und damit
die eigene Stimme eine verlorenen Stimme ist.
Aha.
Mein Erklärungsversuch als selbsternannter Politikforscher:
Die großen Verlierer dieser Wahl stehen seit Wochen fest.
Offenen Fragen:
Wie viele Tausendschaften verlassen die gescheiterte SPÖ und gescheiterte ÖVP,
bzw. wer von beiden verliert mehr?
Wie viele treiben die NOCH Großparteien mit ihrer Ausländerhatz der
rassistischen Rechten zu?
Wie viele dieser enttäuschten Wähler verabschieden sich ins politische
Nirwana, weil sie das Vertrauen in die parlamentarische Demokratie überhaupt
verloren haben?
Und wie viele wollen erhobenen Hauptes wenigstens ein Klares SO NICHT in die
Wahlurne werfen?
Für diese, noch an Politik Interessierten haben die Großparteien, ORF und
Krone ein eigenes, wie man sieht, vorübergehendes Wahlangebot geschaffen.
Für die wegen befürchteter SPÖ/FPÖ Koalition die SPÖ Verlassenden das LIF
und für die Christlich Sozialen, die die Schüsselneoliberalen nicht mehr
aushalten, den Tiroler Polterer Dinkhauser.
Diese beiden wurden gebraucht, um das Ignorieren der KPÖ zu begründen
(ORF-Aussage: LIF und Dinkhauser haben Chancen auf 4 Prozent, die Kommunisten
sind chancenlos).
Jetzt haben diese Mohren, wenns nach Onkel Hans geht, ihre Funktion
verloren.
Rübe ab.
Das ganze riecht nach Plan B.
Die Hochrechnungen der Macht- und Meinungsmafia scheinen alarmierend zu sein.
Ich hege die Vermutung, da geht wem der Arsch auf Grundeis.
Beobachten wir, welche millionenschweren Verblödungsstürme in den nächsten
beiden Wochen noch über uns hinwegfegen werden.
Da versendet die SPÖ Wien an 500.000 GemeindemieterInnen einen
20 Fragen-Bogen und will genau wissen, wies den Menschen geht. Beantworten
wird sie die Kritik dann nach der Wahl. Kann da sein, dass die KPÖ Forderung
nach 5 Jahre Mietzinsstopp die SPÖ angeregt hat, einmal nachzufragen?
Da versendet der Finanzminister 800.000 Briefe, in denen die Rückzahlung von
150 Millionen zu viel kassierter Steuer beworben wird.
Da stellen alle Parlamentsparteien zusammen Anträge im Wert von 10 Milliarden
Euro über die Fellner mit der Schalgzeile: Parteien schenken uns
10 Milliarden berichtet.
Nun gut.
Ergebnis meiner Forschung: Die Kronen-ORF-Filzmaierei hält die Menschen für dumm, sie haben aber in diese vermutete Dummheit offensichtlich kein 100 %iges Vertrauen mehr. Haarrisse im Imperium sind zu erkennen.
Meine Zukunftsprognose: Es ist eine Frage der Zeit, wie lange dieser Schmäh
bei den Menschen noch hineingeht. Irgend wann fliegt der Deckel, der da auf
mündige Bürger draufgehalten wird in die Luft.
Ich meine, je früher desto besser.
Und was die Endlosschleife Verlorene Stimme betrifft:
Keine Stimme den Wahlverlierern.
Keine Stimme den Parlamentschaoten.
Vielleicht ist der Fallbeileffekt auch als Hinweis darauf zu interpretieren,
dass es an der Zeit ist, die Forderungen der französischen Revolution wieder
aufs Banner zu schreiben. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (und
Schwesterlichkeit, natürlich) Werte und Ziele, die in einer manipulierten,
neoliberalen Gesellschaft sich nicht mehr rechnen, die aber für einen
aufgeklärte und aufgeschlossene Zukunftspolitik unverzichtbar sind.
Ziele, für die KPÖ steht. Mit Sicherheit.