
Von Leo Furtlehner (17.7.2008)
Im Standard philosophierten der Schriftsteller Michael Amon und der Politikwissenschaftler Ulrich Sarcinelli anlässlich des SPÖ-Kotaus vor Dichand über das Verhältnis von Politik und Medien. Amon warf den Grünen vor, dass ihnen die Unterstützung der Krone im Kampf gegen Hainburg, Gentechnik und ähnlichen Themen immer höchst willkommen war (nicht zu vergessen die Präsentation ihrer Vizechefin Glawischnig im Boulevard). Die ÖVP wiederum trommelte uns 1994 mit der Krone in die EU hinein und war sich in der Sanktionszeit 2000 im Schulterschluss mit Dichand nicht zu schade für kräftige Anti-EU-Stimmung.
Von politischen Akteuren wie Strache, Westenthaler/Haider, Hans-Peter Martin und Dinkhauser bis hin zu Rettet Österreich gar nicht erst zu reden. So gesehen hat der Wiener Bürgermeister Häupl schon recht mit seinem Sager Ich weiß nicht, ob das geht zur Frage, ob man gegen die Kronenzeitung Politik machen kann.
Schwieriger wird es schon wenn Amon die umfangreichen Leserbriefseiten der Krone als wichtiges Ventil für den Zorn jener, die hier und heute zu kurz kommen hält. Leserbriefe im Kleinformat unterscheiden sich bekanntlich wesentlich von normalen. Da gibt es Berufsleserbriefschreiber wie Franz Weinpolter und die Haus- und HofdichterInnen, also letztlich den institutionalisierten Stammtisch. Nun gilt allgemein die Faustregel, dass die Politik den Stammtisch domestizieren soll und nicht umgekehrt. Die Kritik der Krone am parlamentarischen System forciert die direkte Demokratie, wobei der Volkswille natürlich vom Herausgeber definiert wird. Bruno Kreisky meinte treffend Bei der Todesstrafe und der Emanzipation der Frau darf man die Basis nicht fragen. Denn die Basis (…) ist primär reaktionär. Beim Kleinformat sieht man das freilich ganz anders.
Das Interesse der Medien an der Politik gilt zweierlei, den p.t. LeserInnen Sensationen zu bieten und mit Inseraten abzucashen. Die Verhaberung von Politik und Journaille entspricht diesen Interessen, Ansprüche von objektiv und unabhängig haben da nichts verloren. Summa summarum werden dabei aber der Parlamentarismus und das politische System systematisch desavouiert und zu Schanden geschrieben, wird die Politik entpolitisiert. Zur Delegitimierung des parlamentarischen Systems kommt nämlich auch jene der politischen Methoden, nämlich der Art wie etwas verkündet wird, etwa durch den berühmten Brief an Onkel Hans.