
Von Christoph Kepplinger (11.10.2008)
In den vergangenen Wochen hat sich die Bilderlandschaft in der wirtschaftspolitischen Berichterstattung der Medien radikal gewandelt. Was medial auf uns einströmt sind "sprechende Bilder2, die Bildagenturen und Redaktionen wenden diese in ihrer Rolle als Verbreitungs- und Reproduktionsstätten von Metaphern an. Doch keine quantitative Veränderung ist zu bemerken und auch keine Subversion der Zusammenhänge.
Die Bildsprache ist im Gegenteil kenntlich und unverblümt. Der mediale Konsens ist ikonographisch nahezu hergestellt: Verzweiflung, Absturz, Krise und Bankrott auf allen Bildkanälen rund um die Uhr. Das wirkt diskursverstärkend, aber wirkt es diskursverändernd? Das schaurige Schauspiel von der Krise schraubt sich jammernd in jaulende Höhen und von der Seite ertönt, erst noch vereinzelt, dann von Tag zu Tag vermehrt der Hilferuf an den rettenden Staat als äußerste Konsequenz.
Beim Durchfliegen der Zeitungen leuchten uns die Augen, so offen ist die Schadenfreude angesichts unserer eigenen Kleinheit und unseres Ausgeliefertseins, während keine Geringeren als die Regierungen von Merkel, Bush und Brown sich daran manchen, das Mittel der Bankenverstaatlichung zur Rettung des Wirtschaftssystems heranziehen. Dazu Bilder mit staatstragender Miene, sorgenumwölkt.
Die finanzielle Kraft der Staatskassen wird als Stoßdämpfer auf Kosten aller ausgenutzt. Keine Antikrisenmaßnahme eines solchen „staatsmonopolistischen Kapitalismus“ trägt letztlich aber zu einer Stabilisierung der kapitalistischen Wirtschaft bei, weil deren Widersprüche lediglich bis auf Weiteres aufgeschoben und ungelöst verbleiben.
Wer weiß: In absehbarer Zeit sind die emotional aufgeladenen Bilder von schwitzenden, schreienden, betenden und händeringenden Brokern und Bankiers, die Bilddatenbank-Metaphern mit den brennenden Geldscheinen, dem steigenden Wasser und den Gewitterwolken wieder aus den Medien verschwunden und durch aufatmende, optimistische und spekulationsfreudige Gesichter ersetzt. Die Rechnung wird wie immer an uns „unten“ hängen bleiben, das kapitalistische Glücksspiel geht in die nächste Runde.