KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Die Menschen da draußen

Manche Wahlversprechen muten wie Luftschlösser an …

Von Bärbel Mende-Danneberg (15.9.2008)

Noch immer war in Wahlzeiten das geflügelte Wort von „den Menschen da draußen“ Standardformu­lierung. Für sie wolle man Politik machen. Diesmal wirklich! Wie eine seltene Spezies beäugt das Politikerauge „die Menschen“, die da draußen vor der Tür des Wohlstands stehen und erstaunt die Redseligkeit der politischen Klasse wahrnehmen. Sonst maulfaul, was die Bedürfnisse „der Menschen da draußen“ anlangt, verspricht die gespaltene Politikerzunge Blaues, Grünes, Schwarzes, Rotes, Braunes vom Himmel und kennt keine Scham. Lügen und Anbiederung gehören zum Wahlprogramm.
Zum Beispiel HCs blaues Armbandketterl, eine Anbiederungsgeste an orthodox gläubige Serben. Oder sein abgehobenes „Che“ nach dem „Stra“ auf dem T-Shirt. Nicht ungeschickt, diese versteckten Botschaften, nur für Eingeweihte lesbar, die das ausländerfeindliche und antikommunistische Programm der FPÖ konterkarieren.
Die Schwarzen sind diesbezüglich plumper. Molterer verteilt Bleistifte, Traubenzucker und Malbücher. „Die ÖVP hat in Sachen Kinderbetreuung Aufholbedarf“, sagt er (in „Österreich“ vom vergangenen Sonntag). Diese ideologische Lücke möchte er durch steuerlich absetzbare Kinderbetreuung schließen (also auch das Kindermädchen der Frau Hofrätin soll steuerbegünstigt sein). Um die Kluft zu „den Menschen da draußen“ zu verwischen, fährt Molterer „bei Terminen nie mit dem Auto vor, steigt immer 50 Meter vorher aus und geht zu Fuß. Bürgernähe ist im Wahlkampf Pflicht.“ („Österreich“) Noch plumper gibt sich VP-Bildungssprecher Hahn in einem Interview (in „ab5zig“, eine Zeitschrift des Seniorenbundes): „…jetzt einmal den Menschen zeigen, wofür wir stehen“,  „die Menschen finden in uns einen verlässlichen Partner“, „mit den Menschen in einen Dialog treten“, „im Interesse der Menschen“ – und so menschelt es dahin in seinen Nullbotschaften für die alten Menschen.
Die SPÖ klotzt in „Österreich“ mit einem zweiseitigen Inserat auf rotem Grund: „Entschlossen: Mehr Chancen für Frauen“ verspricht Faymann, ohne rot zu werden. Wenn ein Mann mit diesem Gesichtsausdruck (lächelt er höhnisch, sarkastisch,  harmlos, schlitzohrig, zahm, hinterhältig? – nicht auszumachen) einer Frau einen Rosengarten verspricht, ist höchste Vorsicht geboten. Und es ist ja wirklich zum Lachen: Alle Parteien, die das Füllhorn der Versprechen großzügig ausschütten, tun so, als hätten sie bisher nicht regiert, und zwar in allen möglichen Far­bkonstellatio­nen. Alle hatten sie schon mal ihre Chance, zu beweisen, wie ernst es ihnen ist mit ihren Sprechblasen.
Ach ja, es sind ja immer die anderen, die verhindern. Und diese verfluchten Sachzwänge. Die Menschen da draußen interessiert das aber nicht.

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