
Von Wolf-Goetz Jurjans (23.9.2008)
„Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre“ heißt der berühmte Gesellschaftsroman von Heimito von Doderer. Die Freitreppe im 9ten Wiener Bezirk ist das Zentrum der Geschichte. Und ein Zentrum der Geschichte, der großen wie der kleinen, scheint sie tatsächlich zu sein. Im angrenzenden Palais Strudlhof unterzeichnete der Außenminister der Donaumonarchie das Ultimatum an Serbien. Der Federstrich des Herrn Berchtold besiegelte eine Kette von Ereignissen, die als erster Weltkrieg Millionen von Toten hinterließ. Am selben Ort verhandelten die UdSSR und die USA den SALT Vertrag, der Millionen von Menschen das Leben sicherte. Die große Geschichte kennt immer mehrere Möglichkeiten, wenn sie erkannt werden.
Die kleine Geschichte des Herrn Wolf begann vor acht Jahren im, zum Palais gehörenden, Hotel.
Als er dort zu arbeiten begann, schien die Welt des ÖGB noch in Ordnung. Das Präsidium nickte im Palais die Beschlüsse und die Berichte ab. Ein geheimnissvoller Streikfond gab dem Verein das stolze Gefühl eines Sozialpartners. Veränderungen in der Welt da draußen gaben keinen Anlass zur Sorge.
Herr Wolf wurde zum ersten Mal zum Arbeiterbetriebsrat gewählt. Unter der professionellen Leitung einer Direktorin entwickelte sich der Betrieb und die Leistung der ArbeiterInnen und Angestellten bewiesen, dass erfolgreiches Wirtschaften und Solidarität kein Widerspruch sind.
Herr Wolf wurde ein zweites Mal gewählt. Dann setzte ein falscher Federstrich des BAWAG Chefs eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Flaggschiff der österreichischen Arbeiterschaft auf Grund laufen ließ, und die entrückten Kapitäne und Präsidenten in den Gerichtssal und von dort in den Hefn spülte.
Um das Schiff wieder flott zu bekommen, wurde vermeintlicher Ballast abgeworfen, was das Zeug hielt.
Herr Wolf sprach sich dagegen aus. Und je mehr er davon und darüber sprach, dass die BetriebsrätInnen und die ArbeiterInnen mit Hilfe der jüngeren und kritischen FunktionärInnen das neue Schiff selbst bauen müssen, um so stürmischer pfiff ihm der eiskalte Wind ins Gesicht. Als er sich endlich zum dritten Mal der Wahl stellte, pfiff eine FSG-Gegenkandidatur mit.
Doch dieses erste war auch schon wieder das, vorerst, letzte Loch und er wurde wieder gewählt. Von ArbeiterInnen, die wissen, wie der Hase läuft und wo er im Pfeffer liegt. Und, wo der Pfeffer wächst.
Wie die kleine Geschichte des Herrn Wolf weitergeht, wissen wir nicht. Die große Geschichte berichtet uns vom Kollaps der Investbanken in der USA, von weltweiten, strukturellen Hungerkatastrophen, von Rezession und kommender Wirtschaftskrise, von zunehmender Armut und unermesslichem Reichtum. Wieviel Jahre vor 1914 wir sind, wissen wir nicht. Wieviele Tage vor der Nationalratswahl, schon. Noch kann Herr Wolf das gute KP-Resultat verbessern, noch können es viele andere.
Das Buch: Die Strudlhofstiege oder Herr Wolf und die Höhe der Zeit ist noch nicht geschrieben.
Und das ist gut so, soll es doch mit dem Einzug der KommunistInnen ins Parlament enden.
Jedenfalls der Band 1.
PS: Herzlichen Dank für die großartige Unterstützung an alle, die meinen Erfolg möglich gemacht haben.
Solange es Menschen mit Haltung gibt, Menschen mit Charakter, die über den Tellerrand von Fraktionen und Egoismen hinausblicken können ist nichts verloren, aber viel zu gewinnen.
Mit Sicherheit.