KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Farce und Tragödie

Flaggenvielfalt am Wiener Müllwagen durchbricht das Rot-Weiß-Rote Einerlei

Von Alois Franz (20.6.2008)

  1. -- Vermutlich Robert Gernhardt war es, der fulminat-furios reimend, die Dialektik samt der ihr innewohnenden Klassen-, Geschlechter-, Besitz- und sonstigen Verhältnisse auf den Punkt gebracht hat: „Die Basis sagt zum Überbau: / ,Mensch bin ich heute wieder blau.‘ / Da sagt der Überbau zur Basis: / ,Wasis?‘“ Allein die geist- und substanzlose Phrase, von der Dialektik zwischen Nationalem und Internationalem und dem daraus resultierenden unumgänglich notwendigen Patriotismus, die in jüngster Zeit epidemisch auftaucht, wie die rotweißroten Kronen-Zeitungs-Fähnchen auf den Möchtegern-Staatskarossen hierzulande, allein dieses Problem blieb in Gernhardts Sentenz unbeantwortet, ja, musste es bleiben. Denn der Horror vacui hat einen Gegenstand; er ist eben diese mit der Beharrlichkeit eines Katechismus vorgetragene Floskel, von der niemand noch sagen konnte was sie bedeute und was damit gemeint sei – was denn der Inhalt dieser Aussage sei. Vermutlich nicht mehr und nicht weniger als die kategorische Aufforderung, das eigene Land zu lieben, koste es was es wolle. Es jagt einem die gruseligen Schauer über den Rücken, darob, dass Heimatliebe zur politischen Kategorie geworden ist. Und es jagt einem einen ernsthaften Schrecken ein, weil sie es auch offensichtlich für Linke geworden ist.
  2. -- Was diese hohle Phrase von der kategorischen Heimatliebe bewirkt, ist hingegen offensichtlich: Einen volksgemeinschaf­tlichen Aufmarsch von Regierung und Presse, vom neonazistischen Mob und Gewerkschaftsba­gage, von musikantensta­dlerischen Gaudiburschen und Führungskader der proletarischen Weltrevolution. Alle reklamieren sie den Patriotismus für sich und orten den gemeinsamen Feind im Kosmopolitismus und Intellektualismus. Spätestens hier verraten sich die neuen und alten Patrioten selber und zeigen dass sie dort angekommen sind wo sie vermutlich schon immer sein wollten. Wer Kosmopolitismus und Intellektualismus als Verbalinjurie begreift, begibt sich in eine Tradition, in der mangelnde Heimatliebe mit Tod oder Gefängnis geahndet wurde.

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