
Von Hans Gmundner (6.10.2008)
Die gegenwärtige Finanzkrise ist einer beispiellosen Überakkumulation von Kapital geschuldet, das keine profitablen Anlagemöglichkeiten in der Realwirtschaft gefunden hart. Diese Mittel etwa zu verwenden, um den Hunger dieser Welt zu stillen, kommt übrigens nicht in Frage, weil dabei kein neuerlicher Profit abfällt. Die Blase von überschüssigem Kapital hat sich nicht in Zusammenhang mit faulen Hypothekarkrediten gebildet, sondern hat auch Rohstoffe (wie Öl) und Nahrungsmittel (wie Mais) enorm verteuert.
Ein Auslöser für die Bildung des wahnwitzigen Kapitalüberschusses war die Tatsache, dass es in Westeuropa und auch in Österreich in den letzten 15 Jahren keine Reallohnzuwächse gegeben hat. Wäre das Volkseinkommen gerechter verteilt worden, wäre der Kapitalüberhang geringer und aufgrund der größeren Nachfrage die reale Wirtschaft stärker gewachsen. In der aktuellen Lage wird über die Sicherung der Finanzinstitute beraten; wie die herrschende wirtschaftliche Schieflage korrigiert werden könnte, kommt nicht auf den Tisch. Selbst die zarte Systemkritik eines Stefan Schulmeisters wird von Ingrid Turnherr, Hausmeisterin von Im Zentrum, erbarmungslos abgewürgt.
Die Wahrheit über die Hintergründe der Bankenpleiten darf nicht auf den Tisch. Zumal die angesagte Wirtschaftskrise als ideale Bremse in den aktuellen Lohnverahndlungen genützt wird. Statt die überfällige Fünf vor dem Komma zu realisieren, wird die Gewerkschaftsspitze sich vermutlich neuerlich auf einen Lohnverlust einlassen. Alle wirtschaftliche Logik spricht dafür, statt Konjunkturpakete zu schnüren, für saftige Lohnerhöhungen zu sorgen.