
Von Wolf Jurjans (14.4.2008)
Dass es eine österreichweit relevante Linke braucht, ist für mich
unumstritten.
Dass der Zeugungsakt, die Tragezeit und das erste hörbare Schreien unter dem
Diktat der Termine der nächsten Wahlgänge steht, ist meine zurzeitige Meinung.
Dass Selbstfindung ein Prozess ist, der sich auch jenseits der politisch
organisatorischen Fragen und Profis entwickeln muss, ist für mich sehr wichtig,
weil die kühnsten Ideen auf einer tragfähigen Wirklichkeit aufsetzen müssen,
wollen sie sich nicht blamieren.
Wenn ich das praktisch Erlebte zum Ausgangspunkt meiner heutigen Überlegung
mache, stelle ich mir die Frage, wie gehen Linke mit dem Phänomen der DUGUs
um.
Was sind Dugus? Der unwissenschaftliche Begriff des Dugu entstand 2001 während
eines Wahlkampfes in Margareten, als ich von einem Politprofi gefragt wurde:
Orientiert ihr in eurem Wahlkampf auf die grünen Hirnis oder auf die blauen
Dumpfgummis. Seither beschreibt für mich der Begriff Dugu jene Menschen,
die, schlecht ausgebildet, kaum informiert, meist unfähig, komplexere
Zusammenhänge zu durchschauen, eine leichte Beute für rechte Hassprediger
sind. Diese sorgen dafür, die zum Teil berechtigten Sorgen und Ängste der
Dugus vor Arbeitsplatz- oder Anerkennungsverlust in trotzige bis hasserfüllte
Renitenz gegen ImmigrantInnen zu verwandeln. Sie modeln diesen Teil der
Arbeiterklasse zu verlässlichen Kälbern, die ihre Schlächter selber
wählen.
Das Gefühl des eigenen Minderwerts dieser Gruppe manifestiert sich u. a. in
Berührungsangst und Fluchtreflexen, bevorzugt und als Führer geschätzt werden
großmäulige Alphamännchen, hinter denen sie sich verstecken können.
Das politische Establishment von SPÖ und ÖVP spielt den Dugu Ball immer über
die FPÖ Bande, und bis jetzt hat das auch geklappt.
Bei der Demonstration gegen die Beschlussfassung zur EU Verfassung nahm an der
linken Demonstration nun auch eine rechte Dugu-Gruppe Teil.
Diesem Zusammentreffen unterschiedlicher Gesinnungen, die das selbe Instrument
(die Forderung nach Volksabstimmung) zur Durchsetzung unterschiedlicher Ziele
(die einen wollen sich im braunsumpfigen Österreich verbarrikadieren, die
anderen Europa mit links reform- bzw. revolutionieren) verwenden, wurde in der
Presse breiter Raum gegeben. So titelte der Kurier in etwa Che und
Tirolerhut.
Mit rechten Dugus zu kommunizieren fällt mir nicht schwer, wenn ich mich an
wichtige Erfahrungen halte (rede ruhig mit ihnen, weil, das nimmt ihnen die
Angst. Wähle ein Thema, in das sie sich mit eigenen Erfahrungen einbringen
können, sprich eine Sprache, die sie verstehen, konfrontiere sie mit deinen
Ansichten und versuche nie, einen Zentimeter davon abzuweichen, weil sie das
irritiert, …).
Schwerer ist es, scheint mir, die Kommunikation mit linken Dugus in vernünftige
Bahnen zu lenken.
Was sagt man den jungen Grünen, die aus dem Fakt, dass rechte Dugus an einer
linken Demonstration teilnahmen, den Schluss zogen, linke Demonstrationen
hätten sich in Zukunft aufzulösen, wenn sich ihr ein Tirolerhut-behuteter
Passant nähert, weil der Grundwert: Nicht einmal anstreifen an den blauen
Sumpf oberste Priorität hat.
Es wird wohl nicht ausreichen, ihnen den Spiegel vorzuhalten und ihnen zu
beweisen, dass ihre Berührungsängste auch einem, wenn auch anders entstandenen
Minderwertigkeitsgefühl entspringt.
Es wird nicht ausreichen, ihnen zu erklären, dass es nicht ausreIcht, erste
Reihe fußfrei Haltungsnoten an die GenossInnen und Kolleginnen vor Ort zu
verteilen, wenn es faschistischen Kadern gelungen sein sollte, in die
Demonstration einzudringen, sondern dass die Aufgabe der fortschrittlichen
Kräfte darin besteht, sicherzustellen, dass das nicht wieder vorkommen kann.
Von diesem Fallbeispiel ausgehend bin ich der Meinung, dass es einer großen,
gemeinsamen und lebendigen Denk- und Handlungsanstrengung bedarf, die in ihren
engen Parzellen verschrebergärtnerten Linken zu einer wieder große Gedanken
denkenden, selbstbewussten, aufgeschlossenen und für die Arbeitenden wertvollen
Kraft zu transformieren.
Auch das symbolische Niederreißen von Zäunen und Mauern zwischen Landes-,
Fraktions- und Zirkelgrenzen wird dazu nicht ausreichen.
Meiner Meinung nach braucht es dazu eine Linke Fabrik in der die
intelligentesten Köpfe des Landes analysieren, manifestieren, designen und
handeln, in denen die klügsten und schlauesten ArbeiterInnen des Landes
analysieren, manifestieren, designen und handeln, in denen die internationalsten
Babylonier des Landes analysieren, manifestieren, designen und handeln und in
der die tollsten Frauen des Landes analysieren, manifestieren, designen und
handeln.
Diese tolle, internationale, schlaue und intelligente Linke braucht das Land.
Übrigens. Es sind auch schon Träume wahr geworden.
Nur halt nicht von selbst.