
Von Alois Franz (25.9.2008)
Was sozialdemokratische Parteien am meisten fürchten, schreibt Gremliza,
sei, dass sie in eine Lage geraten, in welcher sie kenntlich werden. Das heißt,
dass sie die Politik, die sie machen, nicht mehr dem Einfluss konservativer und
/oder liberaler Finsterlinge, mit welchen sie sich in Koalitionen befinden,
zuschreiben können, sondern nur sich selbst. Die österreichische
Sozialdemokratie ist mit kurzer Unterbrechung seit mehr als 25 Jahren in einer
Situation, in der sie ihren wechselnden Koalitionspartnern die Verantwortung
für sozialen Kahlschlag, militärische Aufrüstung, Sparpakete, Ausweitung der
Polizeibefugnisse und vieles mehr an sozialdemokratischer
Regierungsprogrammatik in die Schuhe schieben können.
Wer sich in einer Regierung befindet, benimmt sich wie eine Regierung und diese
macht immer die Geschäfte der jeweils herrschenden Klasse. Ob nun die damit
beauftragte Partei lamentiert, dass Koalitionsrücksichten sie dazu zwingen,
oder, wie im Fall der Grünen, mit freudiger Unterwerfung und streberhafter
Frömmigkeit ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen, tut nichts zur
Sache. Im Falle der Grünen heißt Regierungsfähigkeit Privatisierung
öffentlichen Eigentums, wie das Beispiel der oberösterreichischen Energie AG
zeigt. Es heißt, vor der Nuklearindustrie den Kotau zu machen, und ihr als
willige Türöffner zu Diensten zu sein. Wo die Grünen in der Regierung sind,
beweisen sie täglich, dass sie am Gängelband von Industrie, Militär und
Polizei geführt werden. Und sie beweisen täglich, dass sie dies genießen.
Alles andere, wie der Verweis auf einen Koalitionspartner, der einem keine
andere Wahl ließe, ist bei diesen wie jenen schlicht Mumpitz.