
Von Michael Graber (21.7.2008)
Der Titel verweist nicht auf einen Boxkampf. Beide Herren kennen sich nicht und sind sich vermutlich auch nie begegnet. Trotzdem, nachdem sich C. Ortner, Kommentator des Regierungsblatts „Wiener Zeitung“, als Lohnschreiber des neoliberalen Kapitalismus versteht, kann er durchaus auch als herausfordernder Preisboxer gegen den Nobelpreis- und damit Gürtelträger Joseph E. Stiglitz verstanden werden.
Der fiktive Kampf beginnt mit der Feststellung des Nobelpreiträgers daß „ein Vierteljahrhundert nach Reaganomics und Thatherismus die neoliberale Idee gescheitert“ sei. Nach dieser Vorgabe begeht Ortner gleich eine Regelwidrigkeit. Denn es fällt ihm zunächst nur der Satz ein, daß „auch Nobelpreisträger bemerkenswerten Blödsinn von sich geben können“ („Wiener Zeitung“,19.7.). Stiglitz bleibt aber am Ball, besser am Thema. Er definiert den Neoliberalismus als „Wundertüte von Konzepten, die auf der fundamentalistischen Vorstellung beruhen, daß die Märkte sich selbst regulieren, Ressourcen effizient verteilen und den Interessen der Öffentlichkeit dienen“ („Der Standard“19.7.).
Ortner geht in Deckung. Er verschanzt sich hinter Wikipedia, dem Internetlexikon, das Neoliberalismus als „vorwiegend marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung“ erklärt, indem „privates Eigentum, freie Preisbildung, Vertragsfreiheit und Gewerbefreiheit“ bestehe und der Staat, wenn notwendig, „marktkonforme Eingriffe“, vor allem durch „Wettbewerbspolitik“ vornehme. „Was an dieser Überzeugung – die ja das Fundament unseres Wohlstands darstellt – gescheitert sein soll, kann keiner der zahlreichen Nachrufer erläutern“, meint Ortner.
Aber damit hat er schon sein Pulver verschossen.
„Mehr als ein Vierteljahrhundert lang gab es einen Wettbewerb unter den Entwicklungsländern und die Verlierer stehen fest: Länder, die einen neoliberalen Kurs verfolgten, verloren nicht nur ihre Wachstumsgewinne und wenn sie Wachstum verzeichnen konnten, flossen die Gewinne in unverhältnismäßiger Weise den Eliten zu“, schreibt Stiglitz.
Nach dieser linken Geraden wird Ortner kleinlaut. Ja, die Vertreter der Marktwirtschaft (er meint die neoliberalen Wirtschaftspolitiker) seien fast weltweit in der Defensive. Schuld seien die derzeitige Finanzkrise und die Gehaltsexzesse der Manager.
Stiglitz setzt nach. „Ebenso wenig haben uns die Märkte entsprechend auf galoppierende Öl- und Lebensmittelpreise vorbereitet … Die Rhetorik vom freien Markt wird selektiv angewandt – hervorgehoben, wenn er speziellen Interessen dient, und verworfen, wenn dies nicht der Fall ist.“
Ortner hängt in den Seilen. Aber all jene, die nun den Neoliberalismus begraben wollen, hätten doch nicht einmal „einen Hauch einer vernünftigen Alternative zur Hand“, stöhnt er zum Schluß.
Hier greift der Schiedsrichter ein und disqualifiziert Ortner wegen Inferiorität.