KOMMUNISTISCHE PARTEI ÖSTERREICHS

Liebes Redaktionsteam!

Von Heidi Ambrosch (8.9.2008)

In diestandard lese ich: „Die aktuelle Ausgabe hilft beim feministisch wählen und schaut sich auf frauenpolitischen Baustellen um.“ Die gedruckten an.schläge sind noch nicht im Postkastl gewesen, daher kann ich nur auf die auf der Internetseite verfügbaren Artikel zurückgreifen und kenne den redaktionellen Kommentar ebenso wenig wie die möglicherweise bestehende Auswertung des wahlpolitischen Testes. Da es aber keinen Grund zur Annahme gibt, dass ein expliziter Wahlaufruf für die KPÖ darin enthalten ist, möchte ich meiner Verwunderung Ausdruck verleihen, dass unter dieser eingangs zitierten Ansage zweien, der zur Nationalratswahlen – dezidiert nicht feministisch – antretenden Gruppen ein besonderer Platz als „Newcomerinnen“ eingeräumt wird, dem LIF und dem „Linksprojekt“ und der als einzige Partei mit vielen feministischen Auseinanderset­zungen verbundenen KPÖ nicht. 

Zum LIF und Heide Schmidt möchte ich nur soviel schreiben, dass wir dachten, dass Frau sein alleine kein Programm sei, dass die Kehrtwende am Absatz, nachdem sie die persönlich Verantwortliche für das „Ausländer raus“- Volksbegehren der FP war, ja vielleicht noch glaubwürdig ist, aber worin jetzt genau ihre feministischen Ansätze bestehen sollen, ist an uns vorübergegangen.

In aller Kürze möchte ich meine Auseinandersetzung auf die Positionierung des „Linksprojektes“ beschränken, in Realität als einzige Newcomerin. Ihr programmatischer Satz: Es muss endlich Schluss sein mit der systematischen Benachteiligung von Frauen, ergibt nämlich noch keine feministische Positionierung, die sie auch gar nicht vertreten. Der Schlüsselsatz in dem „Frauenabsatz“ ihres Wahlprogrammes ist fett und unterstrichen, anbei der gesamte Absatz, um nicht den Eindruck zu erwecken aus dem Kontext zu reißen:
„Es muss endlich Schluss sein mit der systematischen Benachteiligung von Frauen. Wir wollen keine Sonntagsreden mehr, sondern endlich gleiche Bezahlung. Wir wollen den massiven Ausbau der öffentlichen Dienste, um die unbezahlte Arbeit von v.a. Frauen in Haushalt und Pflege zu reduzieren, sowie kostenlose flächendeckende Kinderbetreuung. Das Geld, das steuerschonend in Stiftungen geparkt ist reicht, um den Sozialbereich umfassend auszubauen. In den letzten Jahren gibt es immer wieder Angriffe auf die „Fristenlösung“. Organisationen die ein Verbot und damit eine Kriminalisierung des Schwangerschaf­tsabbruches anstreben, sind verstärkt aktiv. Die Linke steht für das Selbstbestimmun­gsrecht von Frauen und fordert die Möglichkeit auf kostenlosen Schwangerschaf­tsabbruch in öffentlichen Einrichtungen in allen Bundesländern."

Die geschlechtshi­erarchische Arbeitsteilung bleibt unhinterfragt, sie ist aber der Schlüssel zum Verständnis von Frauenunterdrückung und möglicher weiblicher Befreiungsstra­tegien, wenn man sich nur wenige aber doch feministische Erkenntnisse angeeignet hätte. Zu diesen gehört übrigens auch die Notwendigkeit der autonomen Organisierung von Frauen, der Schaffung von Frauenräumen und -aktionen, wie u.a. der nicht gemischten Frauen-Lesbendemonstration am Internationalen Frauentag, wie sie von großen Teilen dieses Projektes am heurigen 8. März in Wien massiv in Frage gestellt wurde.
Der Antikommunismus sei die Grundtorheit dieser Epoche, meinte Thomas Mann. Es ist höchste Zeit ihn dahingehend zu ergänzen, dass die gleichberechtigte Torheit der Antifeminismus ist. Warum aber ein feministischen Magazin, wenn es um eine wahlpolitische Empfehlung geht, es mit dem feministischen Profil der empfohlenen Listen nicht so genau, den Antikommunismus aber offensichtlich ernst nimmt, ist nicht nachvollziehbar.
 

Sollte die Ausgabe noch nicht im Druck sein, ersuche ich um Abdruck dieses Briefes.
Mit solidarischen Grüßen
Heidi Ambrosch, Frauensprecherin der KPÖ 

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