
Von Hans Gmundner (6.6.2008)
Ob es damit zu tun hat, dass die größten Erdölreserven im Orient zu finden sind, dass rund um die Bildung der Kraftstoffpreise jede Menge Märchen aus tausend und einer Nacht erzählt werden? Aufklärung darüber findet in den Medien leider nicht statt. Da können ORF-ModeratorInnen noch so viele WirtschaftsredakteurInnen und ExpertInnen noch so oft fragen, worauf die Explosion der Rohöl- und Kraftstoffpreise zurückzuführen ist, die Wahrheit wird dennoch nicht ausposaunt. Vertretern der Erdölindustrie wird sogar die Möglichkeit geboten, ihre Lügen weiter an die große Glocke zu hängen.
In der Regel argumentieren sie mit der starken Steigerung der Rohöl- und Endproduktpreise am Spotmarkt in Rotterdam und an den internationalen Warenbörsen, an denen per Waren-Termin-Geschäften spekuliert wird. Tatsächlich berühren diese Teilmärkte die realen Geschäfte der Erdölkonzerne und damit auch die Preisbildung für die Endkunden bestenfalls am Rande. Denn diese Multis decken sich nicht in Rotterdam ein und benötigen nicht kurzfristig Zusatzmengen; vielmehr operieren sie mit langfristigen Lieferverträgen auf einer relativ stabilen und niedrigen Preisbasis.
Dazu kommt, dass die ganz großen Ölkonzerne wie BP und Exxon, aber auch die OMV bei Erschließung, Förderung, Raffinierung und Vertrieb ihre eigenen Kunden darstellen. Da sie in sämtlichen genannten Bereichen aktiv sind, haben sie die Möglichkeit, die Profite dort zu machen, wo die steuerlichen Rahmenbedingungen am günstigsten sind. Wenn OMV Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer die AutofahrerInnen wegen der hohen Treibstoffpresie bedauert, vergießt er Krokodilstränen.