
Von Melina Klaus (17.7.2008)
Im Bundesausschuss der KPÖ – jenem allwöchentlich Treffen fast ausschließlich ehrenamtlicher ‚SpitzenfunktionärInnen‘ – hatten wir zuletzt natürlich die Frage des/der SpitzenkandidatIn debattiert. Auch mein Name war im Gespräch. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Nicht so sehr darüber, wie mein Leben in den kommenden Wochen aussähe, würde ich neben meinem Beruf und meiner Freizeit die vielen Termine wahrnehmen müssen, die man/frau selbst als KandidatIn einer kleinen wahlwerbenden Liste hat. Überlegt habe ich mir, welche Dinge mich bewegen, die aber vermutlich kaum im Wahlkampf der politischen MitbewerberInnen eine Rolle spielen werden.
Gut: Dass angesichts der Klimawandeldebatte, der Teufel der Erderwärmung mit dem Belzebub Atomenergie ausgetrieben werden soll, das – so hoffe ich – werden die KollegInnen von den Grünen – wohl anzuprangern wissen. Wenn sie auch (nicht mehr) für Nulltarif sind, gegen Atomkraft werden sie ja wohl doch noch sein, oder?
Und – vielleicht nicht ganz so gut: Dass über die ein oder andere Verfassungsänderung durch EU-Vertrag eventuell auch das Volk zu bestimmen hat, darum nimmt sich neuerdings die SPÖ an. Mal sehen.
Und gar nicht gut: Bei vielen Dingen, zu denen viel zu sagen ist und wohl auch gesagt werden wird, findet einE SpitzenkandidatIn der KPÖ in breiten Medien kaum Gehör. Hier gibt es für kleine wahlwerbende Parteien wohl im Allgemeinen kein Durchkommen: Gesundheitsreform, Pensionen, Arbeitsmarktpolitik, Friedenspolitik, Fremdenrecht,
Mit diesen und anderen Gedanken saß ich am Samstag mit dem Immobilien-Kurier beim Frühstück. Beschäftige ich mich sonst v.a. mit dem Angebot, kam mir diesmal die Nachfrage in den Blick: Barzahler sucht Zinshaus, Zinshaus Nähe Stadthalle privat gesucht, Privater sucht gepflegtes Zinshaus, Privater sucht Zinshaus mit einer freien Wohnung für in Wien studierende Tochter, Großinvestor sucht Hotels und Anlageobjekte von 5–100 Millionen, soweit der Immobilienteil. Dann folgte noch ein deutsches Panorama: Karl Lagerfeld kreiert auf einer künstlichen Insel vor Dubai eine luxuriöse Design-Welt. Wissen die Betreffenden denn nicht mehr wohin mit ihrem Geld?
Da erscheint mir ein Thema plötzlich aussichtsreich zu sein, von der KPÖ gut in die Wahlauseinandersetzung gebracht werden zu können: Reichtum. Niemand spricht davon. Viele werden von Armut sprechen. Und wie diese besser verwaltet werden könnte. Und manche werden wie gewohnt die Ärmsten für das Ungemach der Armen und nicht ganz Armen zur Verantwortung ziehen, und sie am liebsten des Landes verweisen wollen. Und andere werden sog. KleinstverdienerInnen gegen den sogenannten Mittelstand hochrechnen und umgekehrt. Und alle werden stellvertretend gegen Teuerungen wettern, diese allerdings nur etwas mildern wollen, ohne über kostenlose Leistungen der Gesellschaft an ihre Mitglieder denken zu dürfen.
Vom Reichtum aber, und davon dass er genau so schnell wächst wie die Armut, dass er gar schneller wächst, weil er sich in den Händen immer Weniger konzentriert, und überhaupt davon, dass Armut ohne Reichtum nicht existiert, davon kann sinnvoll nur die KPÖ und ihrE SpitzenkandidatIn sprechen. Und dies kann er oder sie mit Tradition tun. Obwohl tun können täten es andere wohl auch. Aber tun wollen tut es niemand so sehr und so gut wie die Kommunistische Partei.